Maria Schnee, Detail des neuen Hochaltargemälde der Minoritenkirche
gemalt von Ignaz Unterberger



Orgel an deWestwand der Minoritenkirche


Neue Kanzel der Minoritenkirche

Altargemälde des südl. Seitenaltares


Bauliche Intervention 1784-86:
Abtrennung der Chöre durch Einbau von Kurtinenwänden



Seitenaltar mit dem Mosaikbild des Letzten Abendmahls
von Giacomo Raffaelli


Metastasio-Denkmal

Cäcilien-Fenster


Ursprünglicher Entwurf von Viktor Luntz, mittels KI koloriert 

Antoniuskapelle heute 


Minoritenkirche heute mit Sakristeihaus und Arkadengang 


Überlappung des heutigen Grundrisses
mit jenem von 1710


Die Minoritenkirche als Italienische Nationalkirche ab 1784


1784 – Die Minoritenkirche wird Italienische Nationalkirche Wiens
Am 3. Juni 1784 beschenkte Kaiser Joseph II. die ehemals jesuitische Marianische Kongregation der italienischen Bürger Wiens (Italienische Kongregation Maria Schnee) mit der ehemaligen Minoritenkirche, die somit zur Italienischen Nationalkirche Wiens wurde. Deren Präfekt Giovanni Evangelista Milani (1729-1808) beauftragte den Hofarchitekten Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg (1733-1816) mit umbauten an der Kirche.
Die vormals von der Monarchin Maria Theresia (1717-1780) im Jahre 1774 der Italienischen Kongregation übertragene Katharinenkapelle (Artikel) - nachdem die Kongregation ihre im Professhaus des 1773 aufgehobenen Jesuitenordens gelegenen Kapelle (Artikel) aufgeben musste - wurde nun ihrerseits 1784 Eigentum des Staates und wurde in Folge als Magazin und Werkstatt genutzt und schließlich Anfang des 20. Jh. abgebrochen.

1786 – Die Umgestaltung der Minoritenkirche durch Hetzendorf v. Hohenberg
Am Ostersonntag dem 16. April 1786 erfolgte die Neueinweihung der ehemaligen Minoritenkirche als Italienische Nationalkirche unter dem Titel Maria Schnee, dem Patrozinium der Italienischen Kongregation.
Zu den wichtigsten baulichen Veränderungen zählten der Einbau zweier gekrümmter Kurtinenwände
mit Oratorien (Bild) für Mitglieder des Hochadels, welche den Langchor sowie den Chor der ehemaligen Ludwigskapelle (die heutige Antoniuskapelle) vom Hallenraum der Kirche trennen, der Einbau einer Orgelempore samt der von Franz Xaver Christoph (1733-1793) geschaffenen Orgel (Artikel) am westlichen Ende der Kirchenhalle und die Anbringung jeweils eines Seitenaltares an der Nord- und an der Südwand (Artikel) der Kirche.
Architekt Hetzendorf v. Hohenberg erzielte eine architektonische Vereinheitlichung des Kirchengebäudes durch Ausblendung der asymmetrisch gelegenen gotischen Chöre und stilistisch durch Einsatz neu gefertigter gotisierender Stilmerkmale – wie z.B. an der Rahmung des Hochaltargemäldes, am Gehäuse der Orgel und an der neu eingebauten Kanzel (Artikel) ersichtlich.
Die neu installierten sechs großen Gemälde (Artikel) der Kirche (vier davon aus der aufgelassenen Schwarzspanier-Kirche) sowie die vier Statuen (Artikel) seitlich des Hochaltares (Artikel) an der Ostwand waren Geschenke des Staates zur Ausschmückung der Kirche. Das neue Hochaltargemälde (Artikel) wurde indes von Ignaz Unterberger (1742-1797) eigens für die Kirche gemalt, es stellt das über Santa Maria Maggiore in Rom schwebende, von Engeln emporgetragene Gnadenbild Maria Salus Populi Romani der unter dem Titel Maria Schnee (Madonna della Neve) neu eingeweihten Italienischen Nationalkirche dar.
Im Zuge der Umbaumaßnahmen Hetzendorfs v. Hohenberg ist die Heilige Stiege (Bild) abgebrochen worden und die Hochgräber der Blanca von Valois (Bild / Rekonstruktion) und der Isabella von Aragon (Bild / Rekonstruktion) gingen verloren. Nach der Einweihung der Kirche wurden zudem der Langchor und die Johanneskapelle zu Wohnhäusern
umgebaut (Info / Bild) um Geldmittel für den Erhalt der Kirche zu lukrieren.


Blick auf den neuen Hochaltar mit dem Altargemälde Maria Schnee und auf die Kurtinenwände.
Die Rahmen der Fenster der Oratorien gleichen den Rahmen der großen Gemälde. Die maßwerklosen Fenster der Kirche waren analog verglast.

 
Zu Wohnraum umgebauter Baubestand:
Langchor (unten), Kreuzgang und Johanneskapelle (mite/oben)
Über dem Kreuzgang wurden Priesterwohnungen eingerichtet

KI-koloriertes Foto mit dem zum Wohnhaus umgebauten Langchor.
Vgl. KI-unterstützte Ansicht der Kirche 1865 (Bild) (vgl.: Quelle)
vgl. Situation von 1901: Foto/Foto
 
Entwurfszeichnung des Wohnhauses
Regierungsgasse 10
(ehem. Langchor)

1808-1813 – Der hl. Clemens Maria Hofbauer in der Minoritenkirche
Der 1909 von Papst Pius X. heiliggesprochene Redemptoristen-Pater Clemens Maria Hofbauer (1751-1820), der heutige Wiener Stadtpatron, war 1808-1813 als Kaplan in der Minoritenkirche tätig (Artikel), wo ihm der damalige Kirchenrektor Caselli nahezu alle seine Aufgaben übertrug.
In jener Zeit war die Italienische Nationalkirche mit Unterstützung der Italienischen Kongregation unter ihrem Präfekten Joseph v. Penkler (1751-1830) ein Mittelpunkt des katholischen Widerstandes gegen den antiklerikalen säkularen Geist jener Zeit. Eine besondere Rolle nahm hierbei der ab 1808 entstandene „Hofbauer-Kreis“, als dessen „Kopf“ Friedrich Schlegl (1772-1829) und dessen „Herz“ Hofbauer angesehen werden.
An den Wiener Stadtpatron erinnert heute das 1913 von Virgil Rainer geschaffene und vor der Antoniuskapelle aufgestellte Denkmal
zu Ehren Hofbauers (Bild / Bild). Dessen ursprüglich aus Bronze bestehende Büste wurde im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen und 1958 von Oskar Thiede aus Stein neu geschaffen.

1809 – Die Minoritenkirche als Proviantmagazin
Im Zuge der napoleonischen Kriege wurde die Italienische Nationalkirche 1809 zwangsgeräumt und profaniert um als Lagerhalle zu dienen. Die daraufhin nach Wien einrückenden Franzosen verwendeten sie als Proviantmagazin. Der Boden wurde im Zuge dieser Nutzung sehr stark beschädigt. Erst 1810 erhielt die Italienische Kongregation ihre Kirche zurück, worauf sie erneut als Sakralraum dienen konnte.

1830 – Die neue Antoniuskapelle
Im Bereich der ehemaligen Ludwigskapelle wurde 1830 eine zuvor eingeschobene Geschoß-Ebene und die darunter befindliche ebenerdige Sakristei entfernt und somit der ursprüngliche hohe Raumeindruck wiederhergestellt, wie er sich heute in der Antoniuskapelle (Artikel) bietet.
Der Antonius-Altar des Obergeschoßes wurde ebenerdig wiedererrichtet, die zuvor zugemauerten gotischen Fenster verglast und neue, zur Kapelle hin orientierte im gotisierenden Stil gestaltete Erker-Emporen
(Bild) in die Kurtinenwand eingebaut.

1835 - Temporärer Katafalk für Kaiser Franz I
Für die Trauerfeierlichkeietn für den verstorbenen Kaiser Franz I. von Österreich errichtete die Kongregation im Mittelschiff der Minoritenkirche im Bereich der Kanzel ein Trauergerüst bestehend aus einer durchschreitbaren Pyramide mit vier dorischen Tempelportici (Bild). Das Requiem fand am 28. April statt.

1845 – Stiftung des Abendmahl-Wandmosaiks
Kaiser Ferdinand der Gütige von Österreich (1793-1875) schenkte 1845 der Italienischen Kongregation das zwischen 1806 und 1814 im Auftrag Napoleon Bonapartes (1769-1821) geschaffene Wandmosaik (Artikel) von Giacomo Raffaelli (1753-1836), das als Kopie des im Refektorium des Mailänder Dominikaner-Klosters S. Maria delle Grazie von Leonardo da Vinci gemalten „Letzten Abendmahls“. Kaiser Franz I. (1768-1835) von Österreich hatte es für das Belvedere angekauft, aufgrund seiner Größe bzw. Gewichts konnte es allerdings nicht dort aufgestellt werden.
Das Mosaik wurde an die Nordwand der Italienischen Nationalkirche in einem eigens dafür geschaffenen Marmor-Altar aufgestellt (Artikel), der am 26. März 1847 eingeweiht wurde.

1855 – Aufstellung des Metastasio-Denkmals
Im Jahr 1855 erfolgt die Aufstellung des von Vincenzo Luccardi geschaffenen Denkmals für den berühmten Dichter und Librettisten Pietro Metastasio (1698-1782) (Artikel). Metastasio war, so wie der ebenso berühmte Komponist Antonio Salieri (1750-1825) (Artikel), Mitglied der Italienischen Kongregation.

1892 – Beginn der Umgestaltung des Minoritenplatzes
Die barocken Anbauten an der Nordwand und an der Antoniuskapelle wurden 1892 dem Wiener Stadterweiterungsfond zum Zweck der Demolierung verkauft. Damit begann der städtebauliche Prozess zur Neugestaltung des Minoritenplatzes und in Folge auch der Minoritenkirche. Als einziger dieser barocken Anbauten blieb jener des Nordportals der Kirche erhalten (Bild), er beherbergt heute die Heizung der Kirche.

1900 – Anbringung des neuen Cäcilien-Fensters
Im mittleren Spitzbogenfester der Westfassade wurde 1900 das neu von der Firma Carl Greyling’s Erben hergestellte und von Oscar Bene gestiftete Glasfenster-Gemälde (Artikel) angebracht, das die hl. Cäcilie an der Orgel darstellt. Es ist bis heute das einzige bildlich und figürlich ausgestaltete Fenster der Minoritenkirche. Im Zuge der Realisierung dieses Projekts wurde auch das Maßwerk des Fensters rekonstruiert (Bild).

1901 – Abbruch des ehemaligen Langchores der Minoritenkirche
Der vormals in ein Wohnhaus umgebaute und daher nicht mehr als solcher erkennbare Langchor der Minoritenkirche wurde abgebrochen um Platz für die Erweiterung des Minoritenplatzes zu schaffen. An den alten Langchor erinnert heute dessen aus Steinblöcken rekonstruierter Grundriss (Bild), der nach dem Bau der U3-Station am Minoritenplatz angelegt worden ist. Eines der Fenster (Bild) des Langchores ist heute noch im Stiegenhaus des Sakristeihauses erhalten.
Auch der noch stehende Rest des Kloster-Kreuzganges wurde damals abgerissen, sowie die, wie der Langchor ebenfalls zu einem Wohnhaus umgestaltete, ehemalige Johanneskapelle. Zahlreiche Fotos dokumentieren die Abbrucharbeiten (Bild).

1903 – Entwürfe für die letzte Umgestaltung der Minoritenkirche
Architekt Viktor Luntz (1840-1903) begann im Auftrag des damaligen Präfekten der Italienischen Kongregation Antonio Verdin di Valsilvella - dessen Büste (Bild) in der heutigen Sakristei an ihn erinnert - die Neugestaltung der Minoritenkirche. Nach Luntz‘ baldigen Tod setzt sein Mitarbeiter Architekt Luigi Giacomelli di Monterosso (1858-1918) die Arbeiten fort. – Der sehr aufwendige ursprüngliche erste Entwurf von Luntz (Bild/Bild) wurde sukzessive bis 1903 vereinfacht und 1905 noch einmal in seiner Komplexität reduziert.
Zu Beginn dieses Vorhabens wurde der Altar der Antoniuskapelle (Artikel) einer leichten baulichen Umgestaltung unterzogen (Altaraufsatz mit Jesus-Glasgemälde) und mit dem 1901 von Guido Grimani geschaffenen Altargemälde
(Bild) versehen, das auch heute hier zu sehen ist und den hl. Antonius mit Jesuskind darstellt.
1907 wurden im Turm vier neue Glocken, die in Trient gegossen worden sind, angebracht. Heute existiert nur mehr die größte, die Antoniusglocke (Bild), da die anderen 1914 für Kriegszwecke beschlagnahmt worden sind.

1909 – Die Umgestaltung der Minoritenkirche durch Luntz und Giacomelli
Die Kirche wurde nach Beendigung aller baulichen Maßnahmen am 4. Mai 1909 unter Anwesenheit Kaiser Franz Josephs I. (1830-1916) eingeweiht.
Zu den markantesten Änderungen zählte der Anbau des im Bereich des abgetragenen Langchores befindlichen neugotischen Sakristeihauses
(Bild) mit der neuen Sakristei, dem darüber befindlichen Sitzungssaal der Italienischen Kongregation und weiteren Räumlichkeiten sowie die Errichtung des Arkadenganges (Bild/Grundriss) mit darüber befindlichen Priesterwohnungen (im Bereich des abgerissenen Kreuzganges) und einem spitzen Türmchen (Info) als Bekrönung dessen Stiegenhauses. – Heute befinden sich über den Arkaden ein Festsaal, sowie die italienische Schule und das Archiv der Italienischen Kongregation, die hier bis heute auch ihr Büro betreibt (Grundriss).
Anfang des 20. Jh. wurden auch zahlreiche Maßwerke rekonstruiert bzw. restauriert, zugemauerte Kirchenfenster geöffnet und das Giebelfeld der Westfassade im oberen Bereich neu gestaltet (Foto). Die rotierende Fensterrosette
(Bild) etwa wurde damals originalgetreu rekonstruiert.

1914-1945 – Die Minoritenkirche während der Weltkriege
Im Verlauf des Ersten Weltkrieges fiel die Italienische Nationalkirche und ihre Kongregation durch besondere Loyalität gegenüber dem Hause Habsburg auf, die militärische Intervention Österreich-Ungarns wurde mit Gottesdiensten und Gebeten unterstützt, es wurde aber auch mehrmals für die Wiederherstellung des Friedens gebetet. In der Zwischenkriegszeit und danach im Zweiten Weltkrieg wurde hingegen der national italienische Charakter betont und eine Anlehnung an Italien angestrebt. Nähere Details dieser Zeit werden in der Festrede zum 390jährigen Jubiläum der Kongregation erläutert (Text).

1945-2021 - Die Nachkriegszeit
Im Gegensatz zum 19. Jahrhundert, der durch zahlreiche bauliche Akzente geprägt war, wirkte sich die Last der beiden Weltkriege drückend aus und reduzierte Vereinsleben und künstlerische Gestaltungsmöglichkeiten im 20. Jahrhundert. Schäden durch Kriegseinwirkung, wie etwa beim Stephansdom, blieben der Minoritenkirche glücklicherweise erspart. Im Laufe der zweiten Nachkriegszeit nahmen, auch aufgrund der veränderten politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen seit dem Ende der Monarchie, Bedeutung und Glanz der Vereinigung allmählich ab. Kleinere Interventionen wie die Aufstellung des Franziskusfreskos (Artikel) und der Familienmadonna (Artikel) an ihren heutigen Standorten, sowie die Anbringung des barocken Kreuzes (Bild) über dem Hochaltar-Tabernakel und der aktuelle Boden aus Klinkersteinen sind für die 60' Jahre zu erwähnen, sowie die modernen Gemälde am Seitenaltar (Artikel) und die Statue des hl. Franziskus (Bild) von 2003 vor dem Nordportal. Seit 2009 fungiert erstmals eine Frau als Präfekt der Kongregation; Daniela Panella Jirout förderte von da an erfolgreich Vereisleben, Kirchengemeinde, musikalische Tradition sowie den Kontakt zur Apostolischen Nuntiatur (Mons. Zurbriggen) und Italienischer Botschaft (Botschafter Massimo Spinetti).
Mit der Seelsorge der Italiener im 20. Jahrhundert waren Weltpriester und phasenweise Ordenspriester beauftragt, etwa 1921-1924 die Oblaten des hl. Joseph aus Asti und 1924-1953 die Salesianer Don Boscos aus Turin. Ab 1953 (und offiziell ab 1957) wurden die Minoriten als Seelsorger und Rektoren der Italienischen Nationalkirche bestellt und behielten diese Funktion bis 2019.

2021 – Schenkung der Minoritenkirche an die Priesterbruderschaft St. Pius X.
Um sowohl die Seelsorge der italienischen Gemeinde als auch die finanzielle Basis der ehemaligen Minoritenkirche auf Dauer langfristig abzusichern (Details) übertrug die Italienische Kongregation 2021 ihre Kirche mittels Schenkung der Priesterbruderschaft St. Pius X. Am 13. Juni 2022, Tag des hl. Antonius von Padua, begann diese ihre seelsorgliche Tätigkeit in der Italienischen Nationalkirche mit dem besonderen Fokus auf die Erneuerung der traditionellen katholischen Spiritualität Wiens und ihrer italienischen Gemeinde.
Am 10. September 2023 erfolgte die Weihe der elf neuen Glocken (Bericht) der Minoritenkirche, gegossen von der Innsbrucker Glockengießerei Grassmayr, die von diesem Tage an regelmäßig zur vollen Stunde läuten und um elf und zwölf Uhr ein musikalisches Glockenspiel ertönen lassen. 2024 erfolgte die 800-Jahres-Feier (Bericht) der  Gründung der Minoritenkirche und 2025 fand die 400-Jahres-Feier (Berichte) der Italienischen Kongregation statt.