Kaiser Ferdinand II. & P. Wilhelm Lamormaini SJ
und KI-generierte Illustration: Bild



Ansicht des Professhauses der Jesuiten am Platz am Hof mit der Mariensäule


Grundriss des Professhauses
nach dem Wien-Plan von Werner Arnold Steinhausen, 1710
(1) Kapelle der Italienischen Kongregation mit Portal (2), (3) Kapelle der ebenfalls 1625 gegründeten Herrenbruderschaft der Aufnahme Mariens in den Himmel, mit heute erhaltenem Portal

Titelblatt des „Libro d’Oro“ mit Hochaltar der 1635 errichteten ersten Kapelle der Italienischen Kongregation in einer Darstellung von 1672  und KI-gestützte 3D-Visualisierung

   
Ausschnitt des Titelblattes mit Altarbild der Kapelle der Italienischen Kongregation und KI-gestützter Rekonstruktionsversuch des Gemäldes


Andachtsbild des hl. Julius und KI-gestützter Rekonstruktionsversuch des Gemäldes (Bild)

Gemälde des hl. Antonius von Padua, heute im Sakristeihaus 

 Zu den Heiligen der Italienischen Kongregation
siehe auch die Betrachtung zur Langen Nacht der Kirchen 2013

Die Entstehung der Italienischen Kongregation Maria Schnee

Die Italienische Kongregation in Wien wurde der Überlieferung nach am 5. August 1625 vom Jesuiten-Pater Wilhelm Lamormaini SJ im Schoß der Gesellschaft Jesu gegründet. Es war zunächst ein stiller Anfang, denn ihr eigentliches religiöses Leben begann sich erst 1626 zu entfalten.

Wilhelm Lamormaini, Sohn des Landwirtes Everard Germain wurde am 29. Dezember 1570 in La Moire Mannie bei Dochamps im heutigen Belgien geboren. - Sein Name, Lamormaini, leitet sich von der Bezeichnung dieser Ortschaft ab. Er besuchte das Jesuitenkolleg in Trier und studierte in Prag. 1590 trat er den Jesuiten bei und wurde 1596 in Pressburg zum Priester geweiht. Er wirkte als Hochschulprofessor an der Grazer Jesuitenuniversität, wo er auch eine Zeit lang Rektor war, bevor er kurzzeitig nach Rom übersiedelte. Er war auch mehrfach Rektor des Wiener Jesuitenkollegs und ab 1643 bestimmte man ihn zum Oberen der österreichischen Ordensprovinz der Jesuiten. Bedeutenden Einfluss – v.a. im Sinne der Gegenreformation - übte Lamormaini als Beichtvater Kaiser Ferdinands II. von 1624 bis 1637 aus, dem er seit seiner Zeit in Graz freundschaftlich verbunden war, wobei es ihm besonders um die Einheit der katholischen Staaten ging. Er verstarb am 22. Februar 1648 in Wien
.

Die in der Tradition jesuitisch marianischer Kongregationen begründete Vereinigung italienischer Katholiken in Wien war von Anfang an im heute nicht mehr erhaltenen Professhaus der Jesuiten angesiedelt, der Unterkunft für Priester und Missionare des Ordens, gleich neben der alten Jesuitenkirche, der heutigen Kirche am Hof. Die Kongregation besaß im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens allerdings keinen eigenen Andachtsraum, sondern nutzte ein Oratorium im ersten Stock des Professhauses. Jener Bau war nach einem verheerenden Brand von 1607, welcher die dortige Kirche, die Schule sowie das Kolleg zerstört hatte, gerade erst wiedererrichtet und 1625, also im  Gründungsjahr der Kongregation, vollendet worden. Anlässlich der damit verbundenen Neukonzeption der Anlage wurde das Kollegium der Jesuiten vom Platz Am Hof verlegt und in den zwischen 1623 und 1625 errichteten Neubau der Universität Wien übersiedelt, heute als Alte Universität bezeichnet, wo der Jesuitenorden die theologischen und philosophischen Lehrstühle der Universität Wien übernahm und wo Lamormaini als wichtiger akademischer Reformer tätig war.

Als erster Präfekt der Kongregation gilt Ferdinands II. Hofarchitekt Giovanni Battista Carlone († 1645), der Teile der Hofburg plante und ab 1634 mit dem Umbau des Stifts Klosterneuburg befasst war.
1633 wurde die Vereinigung mit den Privilegien des Generalhauses („Primaria“) der Jesuiten in Rom ausgestattet, doch erst im Jahre 1635, zehn Jahre nach ihrer Gründung, bekam die italienische Kongregation eine eigene Kapelle: Dieses damals fertiggestellte Oratorium - von den Wienern aufgrund ihrer italienischsprachigen Nutzer in Folge gerne als „Welsche Kapelle“ bezeichnet, befand sich im jesuitischen Professhaus an der Ecke Bognergasse/Seitzergasse. Sie war dreischiffig und man betrat sie vom Kloster aus, wobei der Zugang zur Kapelle nahe dem Eingang des Professhauses lag, der sich in der Seitzergasse befand. Die Kongregaten errichteten später, im Jahre 1697, mit Einwilligung des Wiener Erzbischofs Ernst Graf von Trautson, aber gegen den Willen der Patres, ein ob seiner architektonischen Schönheit vielfach bewundertes Portal zur Straße hin.

Die Kapelle verfügte 1700 über fünf Altäre, die vier Seitenaltäre waren dem hl. Rochus (neben der Gottesmutter der zweite Patron der Kongregation), dem hl. Märtyrer Julius (Bild), dem hl. Antonius und dem hl. Ludwig geweiht
. Ein barockes Gemälde des hl. Antonius (Bild) im Kolbe-Saal des Sakristeihauses könnte eventuell das bis heute erhaltene Altargemälde jenes Antoniusaltares sein. Die Verehrung weiterer Heiliger, speziell Jesuitischer, durch die Italienische Kongregation ist anhand zahlreicher erhaltener Reliquienkapseln sowie Reliquien-Monstranzen (Artikel) bezeugt.

Der Titel der Italienischen Kongregation und ihrer Kapelle lautete 1635 zunächst „Congregazione della Presentazione e di San Rocco“, er bezog sich also auf den hl. Rochus und auf das Fest der Darstellung Mariens (Mariä Tempelgang bzw. Mariä Opferung), heute auch als Maria unsere liebe Frau in Jerusalem bekannt, welches am 21. November begangen wird. Diese doppelte Widmung ist auf dem 1672 gestalteten Titelblatt (Bild) des Libro d’Oro, dem Mitgliederverzeichnis der Kongregation, klar ersichtlich. - Der darauf abgebildete Hochaltar mit einem Gemälde, welches das Motiv Mariä Tempelgang gemeinsam mit dem hl. Rochus darstellt (Bild), wurde möglicherweise dem Altar der damaligen Kapelle der Italiener nachempfunden und ist mit dem Gründungsdatum der Kapelle 1635 versehen.

Am 31. Mai 1661 erhielt die Italienische Kongregation durch Ordensgeneral Pater Goswin Nickel SJ und auf Bitten des damaligen Präfekten der Italienischen Kongregation einen neuen Titel; sie wurde der unbefleckten Empfängnis Mariens und dem hl. Rochus geweiht (Text).
Grundlage dieser Entscheidung waren die Erlässe, die Papst Gregor XIII. und Papst Sixtus V. den marianischen Kongregationen der Jesuiten zugestanden hatten. Papst Alexander VII. veröffentlichte übrigens im selben Jahr die Apostolische Konstitution Sollicitudo omnium ecclesiarum, mit der er die innerkirchliche Diskussion um die Unbefleckte Empfängnis Mariens anstieß. Somit bezog die Kongregation schon früh Stellung für diesen erst spät durch Papst Pius IX. 1854 als Dogma verkündeten Glaubenssatz. Ein beeindruckendes Zeugnis der Verehrung der Immaculata stellt auch die am Platz Am Hof errichtete und 1667 geweihte Mariensäule dar.
1672 wurde, wie aus dem Titelblatt des Libro d’Oro ersichtlich, der ursprüngliche Titel „della Presentazione e di San Rocco“ erneuert.

Im Jahre 1755 nach Aufstellung einer um 1400’ entstandenen Kopie der Ikone Salus Populi Romani, des Gnadenbildes aus der Kapelle von Pius V. in der Kirche Santa Maria Maggiore in Rom, auch bekannt als Madonna della Neve, erhielt unsere Vereinigung unter Präfekt Graf Colloredo ihren auch heute noch gültigen Titel: Maria Schnee. Der Name „Maria Schnee“ beruht auf den wundersamen Schneefall vom 5. 8. 358 am Ort wo die Kirche S. Maria Maggiore gebaut werden sollte. Damit knüpfte die italienische Kongregation wohl auch an das Vorbild des 1595 von Pater Jakob Rem S.J. in Ingolstadt gegründeten Colloquium Marianum an, in welchem eine Kopie besagter Gnadenikone Maria Salus Populi Romani verehrt wurde.

 

Von links nach rechts: Immaculata (unbefleckt empfangene) auf der Mariensäule am Platz Am Hof / Gnaden-Ikone Salus Populi in Santa Maria Maggiore /
Maria Schnee am Hochaltargemälde der Minoritenkirche / Siegel der Italienischen Kongregation von 1775


Die Auflösung des Jesuiten-Ordens 1773 durch Papst Clemens XIV. bedingte eine Neupositionierung der Italienischen Kongregation als selbständige Körperschaft.
Zunächst wurde
1775 durch Vermittlung der Monarchin Maria Theresias die ehemalige Katharinenkapelle (Betrachtung/Artikel) - deren Einweihung vom berühmten Kongregations-Mitglied Antonio Salieri (Artikel) musikalisch untermalt wurde - und schließlich 1784 durch Intervention ihres Sohnes Kaiser Joseph II. die ehemalige Minoritenkirche (Betrachtung/Artikel) zum Sitz der Vereinigung. Der 1755 angenommene Titel Maria Schnee mit Patroziniumsfest am 5. August blieb dabei erhalten.

An das Gnadenbild Maria Schnee erinnert auch heute noch das 1785 von Ignaz Unterberger gemalte prächtige Hochaltargemälde (Artikel) unserer Kirche, sowie das Relief (Bild) am Antependium der Hochaltar-Mensa und das 1775 geschaffene Siegel der Italienischen Kongregation.


Flaggenentwurf mit Siegel der Italienischen Kongregation