Hochaltar, Hl. Messe anläßlich der Langen Nacht der Kirchen 2019 als die seitlichen Konsolen noch nicht wiederhergestellt waren. Der Altarraum (Presbyterium) wird durch die Chorschranken (C) vom restlichen Kirchenraum abgegrenzt


Der Altar mit Baldachin (Ba), Tabernake (T), Kandelabern, Reliquienmonstranzen (Rm) und den Kanon-Tafeln (Kt), die die gleichbleibenden Gebete der Hl. Messe beinhalten, historische Kissen (Ki) dienen als Unterlagen für das Messbuch

Das Relief Maria Schnee im Zentrum des Antependium des Hochaltares


Die Tafel hinter dem Hochaltar bezeugt, daß dieser Altar mit Privilegien für Seelenmessen (Ablässe bei Requiem) ausgestattet worden ist

 

links: Einzugs-Glocke an der Sakristei-Tür
rechts: Ewig-Licht-Ampel, hier noch in der Antonius-Kapelle

Der Hochaltar der Minoritenkirche

Der heutige Hochaltar der Minoritenkirche geht auf die Zeit der Umbauten der Minoritenkirche durch den Hofarchitekten Hetzendorf von Hohenberg von 1784-1786 (Artikel) unter Präfekt Milani (1729-1808) zurück. Der ursprüngliche Altar war im Zuge des Abzugs des Minoritenordens 1783 abgebaut worden und das mittelalterliche Altarkreuz des Hochaltares der Minoritenkirche zur neuen Klosterkirche der Minoriten an der Alser Straße und später nach Wimpassing gebracht worden, weshalb es heute als „Wimpassinger Kreuz“ (Artikel) bekannt ist.

Architekt Hetzendorf, der um eine einheitliche Erscheinung des Kirchenraumes bemüht war, baute am östlichen Ende der Kirche Kurtinenwände mit großen Fensternflächen ein, die den Chor der heutigen Antoniuskapelle sowie den nicht mehr erhaltenen Langchor im Bereich der heutigen Sakristei ausblenden; sie schließen halbkreisförmig den Ostteil der Kirche symmetrisch ab und lenken so die Aufmerksamkeit auf den Hochaltar. Der an der Ostwand realisierte neue Hochaltar ist durch einen gewaltigen, die gesamte Höhe des Raumes ausfüllenden, architektonischen Bildrahmen charakterisiert, der sich dank seines gotisierenden Stils harmonisch in das mittelalterliche Erscheinungsbild der Kirche einfügt. Er umschließt das mit einem Rundbogen abgeschlossene Altargemälde (Artikel) mittels mehrerer immer spitzer werdender Bögen die schließlich von einem gewaltigen mit Krabben (K) besetzten und mit Rosetten (R) gefüllten Giebel (G) bekrönt werden, der in einer Kreuzblume (KB) endet. Seitlich flankieren zwei an die Mauer angeschlossene Bündelpfeiler (BP) den Altarrahmen, sie werden über deren originelle Akanthusblattkapitellen (A) von Baldachinen (B) mit aufgesetzten Fialen (F) bekrönt unter denen mannshoch je drei Engel (E) mit unterschiedlichen Attributen postiert sind

Unter dem Altarbild erhebt sich ein prächtiger zur Kirche hin geöffneter ovaler Baldachin (Ba), der im Inneren durch eine mit Rosetten geschmückte Kassettendecke (Ka) gestaltet ist. Er wird von acht korinthischen Säulen (S) aus Marmor mit vergoldeten Kapitellen getragen und ist oben durch eine große Kugel mit Kreuz (KK) bekrönt. Dieser Baldachin überspannt den darunter befindlichen ebenfalls oval ausgeführten und mit Girlanden verzierten Tabernakel (T); er verweist somit - wie der traditionelle Himmelbaldachin zu Fronleichnam - auf den im Tabernakel befindlichen in eucharistischer Gestalt gegenwärtigen Herrn Jesus Christus.

Ein großes barockes Kreuz mit Cruzifix (Kr) (Bild) überragt seit 1963 den Tabernakel und fügt sich harmonisch in die Kuppel des Baldachins ein. Es erinnert an das ursprünglich in der Kirche vorhandene „Wimpassinger Kreuz“ und die ursprüngliche Widmung der Minoritenkirche an das Hl. Kreuz. Um 1870 befand sich über dem Tabernakel noch ein eucharistischer Thron (Bild). Er bestand aus einer Tafel, die seitlich von Girlanden geschmückt und durch eine von Putti getragene Krone überragt wurde, dies diente als Hintergrund für die Aufstellung der Monstranz (Bild) mit dem Allerheiligsten. Später um 1910 befand sich über dem Tabernakel anstelle des Sakramentsthrons - jedoch von derselben Krone bekrönt - eine Statue der Immaculata (Bild), die heute auf dem Tabernakel des kleinen Seitenaltares (Artikel) an der Südwand der Minoritenkirche steht.


Festlich geschmückter Hochaltar anlässlich eines Hochfests. Alle Kerzen sind entzündet, auf der Konsole rechts vom Altar wartet der mit dem Kelchvelum verhüllte Kelch auf seinen Einsatz, auf der anderen Konsole ist die Nachbildung der Statue des Prager Jesulein zu sehen. Die drei prächtigen Kanontafeln sind aufgestellt und das Missale (Messbuch) liegt geöffnet auf einem der Kissen am Altar.

Der breit ausladende Hauptaltar der Minoritenkirche ist mit feinen polychromen Marmortafeln dekoriert, deren mittlere Platten stammen vom Antependium des Hochaltars der ehemaligen Katharinen-Kapelle (Artikel), die von 1775 bis 1784 als Kirche der Italienischen Kongregation diente. Die Mittelplatte trägt das marmorne Medaillon der Maria Schnee, der Patronin dieser Vereinigung. An den Enden des Altar-Antependiums befinden sich kleine marmorne Girlanden mit Früchten.

Die beiden gesprengten Giebel an den äußeren Enden des Altars sind mit vergoldeten Holzskulpturen lebensgroßer kniender Engel (Bild / Bild) geschmückt, die in Richtung des Tabernakels blickend, den Herrn Jesus Christus im Tabernakel verehren und anbeten. Unterhalb der Engel befinden sich seit 1. Oktober 2022 erneut je eine Konsole aus dem 19. Jh. (Bild), die einige Jahrzehnte hindurch als Sockel für den Volksaltar zweckentfremdet worden waren. Jene auf der linken Seite trägt heute eine kleine Figur des Prager Jesulein (Bild).

Die vergoldeten Kandelaber (Bild) des Hochaltars zitieren in ihrem Dekor, sich überschneidende Spitzbögen, die gestalterischen Details der Kircheneinbauten aus der Zeit Hetzendorfs und zählen zum damaligen Inventar.

Eine Tafel an der Ostwand der Kirche, hinter dem umgehbar gebauten Altar, bezeugt die Privilegien, die dem Hochaltar der Kirche der Italienischen Kongregation verliehen worden sind: "Altare privilegiatum quotidianum perpetuu pro omnibus defunctis ad quoscunque sacerdotes". Hinter dem Hochaltar ist der originale Bodenbelag der Minoritenkirche erhalten (Bild).
Im 19. Jh. wurde die rückwärtige Wand unterhalb des architektonischen Rahmens des Altarbildes regelmäßig mit Stoffen bespannt (Bild), die zu den liturgischen Anlässen farbig passend gewählt werden konnten und vor deren Hintergrund die Kandelaber und Blumen besonders deutlich hervorstachen. Passende Bespannungen sind auch für die Pfeiler der Kirche belegt und wurden, z.B. anlässlich verschiedener Requiem-Messen für das Haus Habsburg, in der Minoritenkirche angebracht.


Links: Tafel (1) an der Rückseite des Hochaltares, die vormals beim Hochaltar der ehemaligen Katharinenkapelle angebracht war, als Erinnerung an den Besuch von Papst Pius VI. 1782 und seinen Eintrag in das Goldene Buch der Italienischen Kongregation, der Text lautet: "Pio VI. Pont. Max. quod. III. Cal. April. MDCCLXXXII ad hanc aedem solemni supplicatione accesserit et Albo Italorum Sodalium nomen suum manu propria adscripserit ob tantae benignitatis exemplum sodalitas posuit"
Mitte: Rückseite des großen Baldachins mit dem Kreuz über dem Tabernakel des Hochaltares, darauf ist die Widmung (2) in Erinnerung an die Patres des Redemptoristen-Ordens zu sehen, die hier im April 1924 predigten (Bild).
Rechts:Türchen zum Presbyterium mit Rokoko-Dekoration

Das Presbyterium ist durch ein weitläufiges Kommunionsgitter (Chorschranken) vollständig umgeben, wodurch großzügig Platz für feierliche Messfeiern mit zahlreicher Assistenz gegeben ist. Bemerkenswert sind die prachtvoll gestalteten geschmiedeten Türchen zum Presbyterium (Bild) sowie die ebenso prachtvoll geschmiedete Hängevorrichtung für die Einzugs-Glocke (Bild / Bild) bei der Sakristeitür. Ursprünglich schmückten, wie ältere Photos belegen, auch kunstvoll geschmiedete Kerzenhalter (Bild) die Pfeiler und Wandvorlagen neben dem Presbyterium. Barocke Weihwasserbehälter (Bild) befinden sich am Eingang der Sakristei sowie der Antoniuskapelle und des Seiteneingangs der Kirche.

Die großen Luster (Bild) des Altarraums stammen aus der Zeit vor 1870. Ähnliche Luster sowie ein riesiger Luster in der Mitte des Gewölbes, heute am Dachboden erhalten, beleuchteten die gesamte Kirche, unterstützt von den heute nicht mehr erhaltenen Kandelabern der Sitzbänke.

Die große Ampel (Bild) mit dem ewigen Licht, die aus der Zeit Hetzendorf von Hohenbergs stammt und über Jahrzehnte in der Antoniuskapelle hing, hängt seit dem 4. August 2025 wieder vor dem Hochaltar. Im selben Stil ist auch das historische Weihrauchfass der Minoritenkirche in der Sakristei gestaltet.


Ansichten des feierlich geschmückten Hochaltares