Detail des Hochaltargemäldes der Minoritenkirche
 Engel tragen das Bild der Maria Schnee



  
Gründung von S. Maria Maggiore,
Gemälde von Masolino da Panicale 1428

Ikone Salus Populi Romani
in Santa Maria Maggiore 



Das Hochaltar-Gemälde Maria Schnee

Das Altarbild des Hochaltares (Artikel) der Minoritenkirche wurde vom Trientiner Maler Ignaz Unterberger (1742-1797) gemalt und von Fürst Carl Palm (1749-1814) finanziert.
Es stellt als „Bild im Bild“ das Gnadenbild Maria Schnee (Detail) aus Santa Maria Maggiore in Rom dar, wie es von vier Engel in den Himmel emporgehoben wird, fünf verspielte Putti oberhalb des Gnadenbildes und zwei an dessen Seiten spannen indes hinter dem Gnadenbild ein zweifarbiges Ehrentuch auf, das auf seiner Vorderseite rot und seiner Hinterseite weiß ist. Die Szene findet unter dem Bogen einer perspektivisch vorgetäuschten rundbogenförmigen Wandöffnung statt, die den Blick auf den Himmel Roms freigibt. Unterhalb der Engel erkennt man die Eingangsfassade der Kirche Santa Maria Maggiore (Bild), in dessen Cappella Paolina das originale Gnadenbild der Maria Schnee (Bild) „Salus Populi Romani“ (Heil des Römischen Volkes) verehrt wird, sowie die auf der Piazza vor der Kirche befindliche große Mariensäule
.


Kirche Santa Maria Maggiore mit der Mariensäule,
Gemälde von Giovanni Paolo Pannini um 1745

Darstellung der Fassade von Santa Maria Maggiore am Hochaltargemälde der Minoritenkirche 

Die Ansicht der Piazza Santa Maria Maggiore mit der Mariensäule und der in der Häuserfront eingepassten Kirchenfassade erinnert ein Wenig an den Platz Am Hof in Wien mit Kirche und Professhaus der Jesuiten, wo sich die erste Kapelle (Artikel) der Italienischen Kongregation befand...

Santa Maria Maggiore ist eine der vier Papstbasiliken Roms im Rang einer Basilica maior. Gemäß der Gründungslegende Santa Maria Maggiores erschien die Gottesmutter in der Nacht zum 5. August des Jahres 358 im Traum gleichzeitig einem älteren kinderlosen Ehepaar, das sein beträchtliches Eigentum einem guten Zweck widmen wollte und Papst Liberius. Maria gab ihnen die Anweisung, sie sollten auf jenem Hügel, der in jener Nacht mit Schnee bedeckt werden würde, eine Kirche bauen. Nachdem auf dem Esquilin-Hügel tatsächlich Schnee im Sommer gefallen war, steckte der Papst den Grundriss für die Kirche ab und die Bauarbeiten begannen (Bild). Auf diese Legende geht auch die Bezeichnung Maria Schnee (S. Maria ad Nives) zurück.

Die 1625 als Marianische Kongregation in der Wiener Niederlassung des Jesuitenordens gegründete Italienische Kongregation (Artikel) übernahm diesen Titel 1755 als Patrozinium und behielt ihn von da an bis heute. Sowohl die Kapelle im Professhaus als auch die italienische Ktharinenkapelle waren Maria Schnee geweiht. Mit der Übernahme der ehemaligen Wiener Minoritenkirche durch die Italienische Kongregation 1784 erhielt auch die Minoritenkirche, in ihrer neuen Funktion als Italienische Nationalkirche, den Titel Maria Schnee (Madonna della Neve), wurde mit Unterbergers Altargemälde geschmückt und am Ostersonntag des Jahres 1786 neu eingeweiht. Die Verehrung der Maria Schnee durch die Italiener hat, neben der nationalen Verknüpfung mit Rom, auch eine jesuitische Tradition: P. Jakob Rem S. J. hatte 1595 in Ingolstadt ein Colloquium Marianum unter diesem Titel gegründet und diesem Vorbild schlossen sich auch die Italiener in Wien an. Das von ihnen im Professhaus der Jesuiten am Platz Am Hof verehrte Bild, eine Kopie einer in Brünn befindlichen Kopie der Salus Populi Romani, ist auch heute noch in der ehemaligen Jesuitenkirche Am Hof zu sehen.

Das originale Gnadenbild der Maria Schnee (Bild), Salus Populi Romani, dem Unterberger seine barocke Version am Hochaltar der Minoritenkirche nachempfunden hat, ist eine auf Zedernholz gemalte Ikone, der nachgesagt wird, sie sei eine der vom Evangelisten Lukas zu Lebzeiten der Gottesmutter gemalten Ikonen der Jungfrau Maria. Sie ist in einem goldgesäumten dunkelblauen Mantel über einer purpurroten Tunika gekleidet und trägt auf ihrem linken Arm den ebenfalls in kaiserlichen Purpur gekleideten Jesusknaben, der mit seiner Linken einen Buch-Kodex hält und mit seiner Rechten das Volk segnet. Die Hände der Gottesmutter liegen übereinander, was einer frühchristlichen Darstellungstradition entspricht, und halten eine Mappula, ein zeremonielles Tuch aus dem kaiserlichen Kontext, das die erhabene Stellung Mariens als Regina Coeli (Himmelskönigin) unterstreicht.

Die herausragende historische und religiöse Bedeutung dieses Bildes für die Christenheit lässt sich anhand zweier Ereignisse erahnen: wenn man bedenkt, daß Papst Gregor der Große 593 diese Ikone durch Rom tragen ließ, um für das Ende der Pest zu bitten und 1571 Papst Pius V. vor dieser Ikone für den Sieg in der Schlacht von Lepanto gegen die Flotte des Osmanischen Reiches betete.