Altar der Antoniuskapelle der Minoritenkirche


Emporen der Antoniuskapelle, die historische Ampel des späten 18. Jh. befindet sich heute wieder vor dem Hochaltar der Minoritenkirche


Rekonstruktion des zweiten und dritten Bauzustands (Artikel) der Minoritenkirche:
(1) Langhaus, (2) Langchor, (3) Lettner, 
(4) Katharinenkapelle, (5) Ludwigskapelle bzw. heutiges nördliches Seitenschiff mit Hochgrab der Isabella von Aragon (heute verschollen),
(6) Johanneskapelle


Tabernakel der Antoniuskapelle und Tabernakeltür


Gedenktafel der Familie Hoyos zur Weihe des Altares 1599 zu Ehren der Heiligen Johannes des Täufers und Ludwig von Toulouse



Grüfte im Bereich der heutigen Antoniuskapelle (A)
Fam. Rödl (2), Fam. Hoyos (1) mit Sarg der Rieglerin (R)



Die Antonius-Kapelle

Die Antoniuskapelle befindet sich am östlichen Ende des nördlichen Seitenschiffes hinter der nördlichen Kurtinenwand (Bild), die im Zuge der Renovierungsarbeiten des Architekten Hetzendorf von Hohenberg 1784-1786 (Artikel) errichtet worden ist. Vor diesem baulichen Eingriff war der Chor der Antoniuskapelle vom Langhaus der Minoritenkirche aus sichtbar und somit auch Teil des Langhauses (Bild).

Der Altar der heutigen Antoniuskapelle ist seit 1901 durch ein von Guido Grimani geschaffenes Gemälde geschmückt, es zeigt den hl. Antonius mit Christuskind in Mitten von Lilien und Mohnblüten als Symbol der Reinheit einerseits und des blutigen Todes Jesu andererseits. Im Hintergrund der beiden ist auf der rechten Seite ein antiker Tempelportikus dargestellt, der erst sekundär von Grimani hinzugemalt worden ist.
Je zwei korinthische Säulen flankieren das Altarbild, die über den vergoldeten Kapitellen (Bild) sitzenden diagonal wegstrebenden Gebälk-Aufsätze vermitteln typisch barocke Dynamik.


Die Statuen des hl. Rochus (re) und des hl. Sebastian (li) flankieren den hl. Antonius von Padua vit Jesuskind

Neben den Säulen stehen zwei Skulpturen, die vom Hochaltar der 1775-1784 als Italienische Kirche dienenden ehemaligen Katharinenkapelle stammen, links der hl. Rochus mit Pilgerstab und Hund, rechts der an einem Stamm gefesselte hl. Sebastian, beide Heilige werden von der Italienischen Kongregation besonders verehrt. Der Altar der Antoniuskapelle erhielt bis 1902 einen marmornen kartuschenartigen Aufsatz. Darin befindet sich ein Glasbild der Firma Carl Geyling’s Erben, es stellt das strahlende Medaillon „Christus als Salvator“ vor einem blauen sternenbesetzten Himmel dar, das von zwei Putti hochgehalten wird. Dieselbe Firma gestaltete 1902 auch die Glasmalereien des hinter dem Antonius-Altar befindlichen Spitzbogenfensters des Chores der Antoniuskapelle, die ein gotisches Teppichmuster (Bild) nachahmen. Der Aufsatz des Altares wird von zwei großen Engeln flankiert, die auf dem Gebälk über den äußersten Säulen sitzen und verdreht zum Jesus-Medaillon des Glasbilds blicken. Des Weiteren sitzen drei Putti mit gefalteten Händen auf dem bogenförmig ausgebildeten Gebälk oberhalb des Glasbildes.

 
Kartuschenförmiger Aufsatz mit Glasmalerei Medaillon „Christus als Salvator“,
flankiert von Skulpturen von Engeln und Putti

Der barocke Tabernakel der Antoniuskapelle, der in Gestalt eines kleinen Tempels geschaffen worden ist - eine Anspielung auf den Tempel in Jerusalem - wurde 1902 durch eine vergoldete Kuppel mit Schuppen aus Savonierstein ohne Kreuz erweitert. Vermutlich handelt es sich bei diesem Tabernakel ebenfalls um ein Relikt aus der von der Italienischen Kongregation renovierten Katharinenkapelle; er ähnelt jenem in der Aufrissskizze des Altares (Bild) und der verwendete Stein und seine Gestaltung passen zum Antependium (Bild) des Hochaltares der Minoritenkirche, der aus der Kapelle übernommen worden ist. Sogar auch die steinerne Rahmung der Tabernakeltür passt gestalterisch zum Rahmen des Altargemäldes der Katharinenkapelle.
Die Tabernakeltür stellt jenen Augenblick dar, kurz bevor der aufrecht stehend dargestellte Abraham seinen gefesselten Sohn Isaak auf dem Altar geopfert hätte, jedoch von dem im letzten Augenblick vom Himmel durch eine Rauchwolke herabgeflogenen Engel davon abgehalten wird.
Im Tympanon des Tabernakel-Giebels ist das apokalyptische Lamm (Bild) auf dem Buch mit 7 Siegeln vor einem Wolkenhintergrund dargestellt.

Vor dem Antoniusaltar lädt jener Betstuhl zum Gebet ein, der laut Überlieferung, von Papst Pius VI. bei seinem Besuch in der ital. Kirche in Wien, der ehemaligen Katharinenkapelle, 1782 benützt worden ist.

Der Chor der heutigen Antoniuskapelle ist im Zuge der zweiten Bauphase der Minoritenkirche (Artikel) geschaffen worden und ist zunächst als separater Kapellenanbau mit eigenem Eingang (Artikel) errichtet worden. Dieses als „Ludwigskapelle“ bekannte Heiligtum war ursprünglich dem hl. Ludwig von Toulouse geweiht, war von Isabella (Elisabeth) von Aragon (1300-1330) errichtet worden und wurde schließlich im Zuge der dritten Bauphase der Minoritenkirche (Artikel) zu einem dritten Kirchenschiff erweitert und in das Langhaus der Minoritenkirche eingebunden. Bis etwa 1784 befand sich daher hier auch das Grabmal der Isabella von Aragon (Bild / Rekonstruktion).

1599 bzw. 1603 wurde der Altar der Kapelle auf Betreiben der Familie Hoyos dem hl. Johannes dem Täufer und dem hl. Ludwig von Toulouse gewidmet (daran erinnert eine Gedenktafel in der Kapelle) und später, nach dessen schwerer Beschädigung im Laufe der Türkenbelagerung von 1683, umgebaut. Der damals errichtete neue Altar wurde 1698 dem Erzengel Michael geweiht und erhielt vom Freiherren Bartholotti von Partenfeld das berühmte Altarbild von Luca Giordano (Artikel), das den Sturz Satans durch den Erzengel Michael darstellt. Für dessen Anbringung sind damals wohl auch weite Teile des zentralen Spitzbogenfensters zugemauert worden. 
Die Kapelle enthielt ursprünglich auch einen Nebenaltar zu Ehren der Schmerzhaften Mutter, der 1723 durch einen dem hl. Johannes Nepomuk geweihten Altar ersetzt wurde, hier befand sich ab 1689 auch eine in Wien sehr verehrte Statue zu Ehren des hl. Nepomuk.

Unterhalb des Fussbodens der heutigen Antoniuskapelle befindet sich die barocke Gruft der Familie Hoyos, die 1561 eingerichtet wurde und auch heute existiert. 1901 stieß man darin bei einer Begehung auf Särge und Überreste mehrerer Erwachsener und Kinder, die in Folge in zwei Särge umgebettet wurden. Außerdem stieß man auf den Kupfersarg der im 17. und 18. Jh. hochverehrten stigmatisierten Jungfrau Christine Rieglerin (Artikel), welche auch heute noch in der Gruft ruht.
Am Boden, direkt vor dem Eingang zur Antoniuskapelle, ist der verschlossene Zugang zur Gruft durch einen Stein mit Inschrift (Bild) gekennzeichnet.

Bemerkenswert sind die Emporen, die an der Rückseite der Kurtinenwand in Richtung des Antoniusaltares blicken. Auf mehrere Stockwerke verteilt dienten sie dem Adel um im privaten Rahmen den Hl. Messen zu folgen, die am Antonius-Altar bzw. am Hochaltar der Minoritenkirche gelesen wurden. Auch eine kleine Sakristei befindet sich hier. Die Wände dieser Räume sind tlw. noch mit den originalen historischen Farbfassungen dekoriert.

An den Wänden der Antoniuskapelle befinden sich zahlreiche rezente Gedenktafeln (Bild) und Ex-Voto-Tafeln, die von der Frömmigkeit ihrer Stifter zeugen. Zu erwähnen ist auch die Tafel in Erinnerung an Margarete, Gräfin von Tirol, genannt „Maultasch“, die in der Minoritenkirche bestattet worden ist. Ihr Grab ist heute verschollen.

Zwei kleine Gemälde links und rechts des Altares erinnern an den hl. Don Bosco (links), dessen Salesianer 1924-1953 die pastorale Pflege in der Minoritenkirche innehatten, sowie an den hl. Johannes Nepomuk (rechts), der in dieser Kapelle einen eigenen Altar besaß.

Schließlich seien hier auch noch die beiden gotischen Steinfragmente an den Ecken der Kapelle erwähnt, Reste zerstörter skulpturaler Ausstattung der Kirche. Wo der eine (Bild) ein von Achantusblättern überwachsenes Kapitell sein dürfte, handelt es sich beim zweiten (Bild) wohl um ein Fragment einer Reliefdarstellung der Kreuzabnahme Jesu.


Fragment einer Reliefdarstellung
der Kreuzabnahme

Fragment mit Blattornamentik

Die Heiligen Don Bosco und Nepomuk