![]() Antonio Salieri, 1815 von Willibrord Joseph Mähler gemalt (Ausschnitt) ![]() ![]() Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri vor dem Siegel der Italienischen Kongregation (KI-generierte Illustration) |
Antonio Salieri (1750-1825) Antonio Salieri wurde am 18. August 1750 in
Legnago im Veneto (damals: Republik Venedig) als fünftes oder achtes Kind
in eine wohlhabenden Kaufmannsfamilie hineingeboren. Sein Vater
war der Kaufmann Anton Salieri (1702-64), seine Mutter
Anna-Maria Scacchi (1722-63). Schon früh zeigte er
musikalische Begabung und erhielt ersten Unterricht in Violine und
Cembalo von seinem älteren Bruder Francesco sowie vom Organisten
Giuseppe Simoni. Als er durch den Tod beider Eltern verwaiste,
wurde er nach Venedig geschickt, wo er bei Giovanni Mocenigo, aus
dessen Familie damals der Doge stammte, aufgenommen wurde. Dort erhielt
er Gesangsunterricht beim Tenor Ferdinando Pacini und
Kompositionsunterricht bei Giovanni Battista Pescetti. Im Jahr
1766 entdeckte der Wiener Hofkomponist Florian Leopold Gassmann
(1729-74) das Talent des 16-Jährigen und brachte ihn nach Wien, wo er
für ihn wie ein zweiter Vater wurde. Dort vertiefte Salieri seine
Ausbildung in Sprachen, Musik und Deklamation unter der Anleitung des
Hofdichters und Mitglied der Italienischen Kongregation Pietro
Metastasio (1698-1782), den er 1767 kennenlernte. 1769 schloss er
Freundschaft mit Christoph Willibald Gluck (1714-87), der sein
Gönner und Vorbild blieb und ihn in den Reformstil der Oper einführte. Salieris Karriere in Wien begann rasch. 1770
wurde seine erste Oper, die Opera buffa Le donne letterate,
am Burgtheater uraufgeführt und fand großen Erfolg. 1771 folgte die
ernste Oper Armida, die seinen Ruf als Opernkomponist
festigte. Seine zwei darauffolgenden Opern "La finta scema" und "Daliso
e Delmita" für das Hoftheater waren jedoch nicht erfolgreich.
1778–1780 reiste er mit kaiserlicher Erlaubnis
nach Italien, wo er erfolgreiche Opern wie La scuola de'
gelosi und L'Europa riconosciuta (zur Eröffnung der Mailänder
Scala) komponierte. 1781 brachte er das deutsche Singspiel Der
Rauchfangkehrer heraus, das im deutschsprachigen Raum über hundert
Aufführungen erlebte. 1784 reiste Salieri erstmals nach Paris,
wo seine Oper Les Danaïdes (in Zusammenarbeit mit Gluck)
triumphierte und ihm weitere Aufträge einbrachte, darunter Les
Horaces (1786) und Tarare (1787, Libretto von Beaumarchais),
sein größter Erfolg an der Pariser Oper. Die Wiener Fassung von
Tarare als Axur, re d'Ormus (1788) wurde ebenfalls gefeiert.
1788 stieg er zum Hofkapellmeister auf und übernahm die Leitung
der Hofmusikkapelle, für die er verantwortlich war für
Gottesdienste, Repertoire, Instrumentenbeschaffung und Einstellungen.
Er blieb in dieser Position bis zu seiner Pensionierung 1824 und erwarb
sich Verdienste um die Organisation der Kirchenmusik, den Musikbestand
der Hofbibliothek und die Ausbildung von Sängern. Politisch schwierig wurde es nach dem Tod seines
Gönners Joseph II. 1790; unter Leopold II. fühlte er sich weniger
geschätzt und reichte 1790 seinen Rücktritt als Hofkomponist ein,
leitete aber weiter die Hofsängerkapelle. 1795 wurde er
Vizepräsident der Tonkünstler-Societät (nach einer
Präsidentschaft von 1788–1795) und dirigierte deren Konzerte bis 1818.
1804 schuf er seine letzte Oper Die Neger, die wenig erfolgreich
war,
er blieb jedoch aktiv in Kirchenmusik und Pädagogik. Als hochgeschätzter Lehrer unterrichtete er unentgeltlich über
60 Schüler, darunter Ludwig van Beethoven, Carl Czerny,
Johann Nepomuk Hummel, Franz Liszt, Giacomo Meyerbeer,
Ignaz Moscheles, Franz Xaver Wolfgang Mozart, Franz
Schubert, Simon Sechter, Franz Xaver Süßmayr, Joseph
Weigl und Peter von Winter. Er förderte auch Sängerinnen
wie Therese Gassmann und Catharina Cavalieri. Zu Salieris umfangreichem Œuvre zählen
44 Opern und Singspiele, die die Tradition der italienische Opera Seria mit Glucks Tragédie lyrique und buffonistischen Elementen verbanden,
etwa La fiera di Venezia (1772), La grotta di Trofonio
(1785), Il mondo alla rovescia (1792), Palmira, regina di
Persia (1795) und Falstaff ossia Le tre burle (1799). Ergänzt
wurden sie durch Ballettmusiken, Oratorien, Kantaten,
ein Requiem, Messen, Motetten, Hymnen,
Psalmen, Litaneien und weltliche Vokalwerke wie Lieder
und Kanons. Instrumentale Kompositionen umfassen Konzerte (z. B.
für Violine, Oboe & Violoncello 1770; für Flöte, Oboe & Orchester; zwei
Klavierkonzerte; ein Orgelkonzert), Symphonien, Serenaden,
Divertimenti, Märsche und den Variationszyklus La
Follia di Spagna (1815). Salieri galt als humorvoll, gesellig und
hilfsbereit; er sprach akzentfreies Deutsch und mischte oft Italienisch,
Französisch und Deutsch. Sein Verhältnis zu Wolfgang Amadeus Mozart
(1756-91) war kollegial bis freundschaftlich: Sie arbeiteten zusammen am
Freudenlied Per la ricuperata salute di Ofelia, und Salieri
dirigierte Mozarts Werke. Eine angebliche Rivalität oder gar Mordtat
(wie in Puschkins Mozart und Salieri oder dem 1984 erschienenen Film Amadeus
von Regisseur Miloš Forman dargestellt) ist historisch unhaltbar und wurde von
Zeitgenossen dementiert. Ab 1823 verschlechterte sich Salieris
Gesundheit; er verbrachte Monate im Spital und wurde von seinen Töchtern
gepflegt. Er starb am 7. Mai 1825 in Wien in geistiger Umnachtung und
wurde auf dem Matzleinsdorfer Friedhof beigesetzt; sein Grab ist
verschollen. Seine Autografen vermachte er der Tonkünstler-Societät und
der Gesellschaft der Musikfreunde. Sein Andenken ehren die
Salierigasse (umbenannt 1894) und eine Gedenktafel an seinem
Wohn- & Sterbehaus in der Göttweihergasse 1, beide in
Wien.
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