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Die Errichtung und Ausstattung des
Abendmal-Altares
Das berühmte Mosaikbild (Artikel) der Minoritenkirche entstand im Auftrag
Napoleon Bonapartes (1769-1821). Dieser wollte ursprünglich das
originale, 1495-97 in secco-Technik geschaffene, 422 ×
904 cm
große Abendmahl-Gemälde von Leonardo da Vinci (1452-1519) im
Refektorium des Dominikaner-Klosters S. Maria delle Grazie in Mailand
von seiner Wand ablösen und nach Paris überführen lassen. Aufgrund der
technischen Undurchführbarkeit des Projekts beauftragten Napoleon und
sein Stiefsohn, der Vizekönig Italiens Eugène de Beauharnais
(1781-1824), den Maler Giuseppe Bossi (1777-1815), eine
originalgetreue Kopie auf Leinwand zu erstellen. Diese sollte ab 1806
dem Mosaik-Künstler Giacomo Raffaelli (1753-1836) aus Rom, der in
jenem Jahr extra nach Mailand geholt wurde und hier auch eine eigene
Schule eröffnete, als Vorlage für ein Mosaikbild dienen.
Da die Größe von 9,18 x 4,47 Metern nicht zuließ, das Mosaik-Bild
in einem Stück anzufertigen und anschließend zu bewegen, musste der
Künstler es in zwölf Einzelplatten unterschiedlicher
Dimensionierung mit etwa 24 cm Dicke herstellen, die
zusammengenommen etwa ein Gewicht von 20.000 Kg besitzen. Die
einzelnen Mosaiksteine wurden hierbei direkt mittels Zement an den Stein
geklebt. Das Mosaik wurde von Raffaelli mit Unterstützung von fünf
Gehilfen in den Jahren 1806-1814 hergestellt.
Da bei Vollendung des Bildes der mittlerweile entmachtete Napoleon
natürlich nicht mehr als Käufer in Frage kam, wurde das Mosaik
schließlich von Kaiser Franz I. v. Österreich (1768-1835) gekauft
und 1816/1818 auf zwölf Artillerie-Wägen aufgeteilt nach Österreich
transportiert. Zunächst wurde es in den Räumlichkeiten der Ambraser
Sammlung in Innsbruck liegend am Boden eines Saales arrangiert, wo
es von einer Tribüne aus besichtigt werden konnte. Bald darauf wurde es
erneut in Kisten gepackt und in das Schloss Belvedere nach Wien
überführt, wo es provisorisch im Keller verstaut wurde.
Seitens der Italienische Kongregation erwuchs in den 1820’ Jahren das
Interesse, die Minoritenkirche zum Zweck der Aufstellung des Mosaiks dem
kaiserlichen Hof zur Verfügung zu stellen. 1821 wurden hierzu mit der
Unterstützung des Architekten Johann Nepomuk Amann
(1765-1834) auch nähere Untersuchungen hinsichtlich Aufstellungs-Ort und
Möglichkeit vorgenommen, wobei mittels eines auf Leinwand gemalten
Faksimile des Mosaiks eine Anbringung des Kunstwerks simuliert wurde,
doch blieb das Unternehmen vorerst noch ohne Erfolg. Erst ein Ansuchen
des Jahres 1845 bei Kaiser Ferdinand I. v. Österreich
(1793-1875) fand Gehör und Gefallen.

Darstellung
des Altares und des unausgeführt gebliebenen Kommunion-Gitters
Die Kongregation engagierte den Architekten Friedrich August
v. Stache (1814-1895), der einen Entwurf für die Anbringung des
Mosaiks anfertigte. Er plante, feste Fundamente anzulegen und darüber
einen Altar aus Carrara-Marmor zu errichten in dem das Mosaik
anzubringen sei. Hierbei sollte ein kleiner Abstand zur Nordwand der
Minoritenkirche verbleiben, was aus konservatorischen Gründen als
Vorteil erachtet wurde. Ein früheres Projekt Amanns, welches eine
Anbringung des Mosaiks direkt an der Wand und dessen Fixierung mittels
Eisenanker vorsah, wurde hingegen aufgrund statischer und ästhetischer
Bedenken fallengelassen.
1846 wurde unter Staches Leitung die Arbeit der Errichtung von Altar und
Mosaik begonnen. Hierfür wurde eine Grube bis zu einem festen Untergrund
gegraben und ein Fundament aus gleichförmigen Ziegeln gebaut.
Dieses wurde bis zur Höhe von etwa 3,4 Meter über den Kirchenboden
errichtet und bis hier auch mit der Nordwand der Kirche verbunden. Über
diese Mauer wurde anschließend eine Schicht behauener Steine gesetzt um
den Druck des Gewichtes des Mosaiks besser zu verteilen. Die
Mosaikplatten wurden vom Hofbauamt mittels eines eigens gebauten und von
sechs Pferden gezogenen Wagens angeliefert. Der Professor für
Bildhauerei Vincenzo Bonanni (1802-1887) hatte derweil den Marmor
für Altar und Rahmen in Carrara vorbereiten lassen.
Die Positionierung und Anbringung der einzelnen Mosaikplatten erfolgte
über eine Rampe und eine Plattform sowie über eine große Schraubenwinde
und Karren und die Fixierung an die Kirchenmauer mittels jeweils vier
Schlüsseln. Das Mosaik wurde in drei Lagen zu je vier Platten montiert
wobei drei Daumenbreit Abstand zwischen den Mosaikplatten und der Wand
gelassen wurden.
Giovanni Battista Viscardi
aus Mailand lieferte sechs vergoldete Bronzeleuchter an, die
Wiener Firma Hollenbach stellte indes Kanontafeln,
Tabernakeltür (Bild) und Inschriftenlettern zur Verfügung und
Giulia Stoy bestickte die beiden Polster für das Missale (Bild).
Einer von ihnen ist mit dem Wappen (Bild)
der Lombardo-Venetiens und der andere mit dem Wappen Venedigs
geschmückt, die damals zu Österreich gehörten; die beiden Polster sind
auch heute noch im Fundus der Sakristei der Minoritenkirche vorhanden.
Im Jänner 1847 waren die Arbeiten so weit fertiggestellt, dass am 26.
März in Gegenwart des Kaisers Ferdinand I. (1793-1875) und seiner Gattin
sowie der Erzherzogin Sophia, des Erzherzogs Ludwig und des Erzherzogs
Karl die Einweihung des Altares erfolgen konnte. Hierbei
pontifizierte der Wiener Erzbischof Vincenz Eduard Milde
(1777-1853).
Zur Erinnerung an die Anbringung des Mosaikbildes in der Minoritenkirche
wurde der Graveurmeister Steinböck beauftragt eine
Gedenkmedaille zu kreieren. Davon wurde ein Exemplar in Gold für den
Kaiser sowie 30 in Silber und 300 in Bronze hergestellt. Das Archiv der
Italienischen Kongregation verwahrt das Modell und die Prägestempel
dieser Medaille.
Architekt Stache hatte auch die Errichtung steinerner
Chorschranken vor dem Altar vorgesehen. Ein Antrag um
Finanzierung wurde vom Kaiser abgelehnt und auch die Kongregation
investierte die für dieses Vorhaben notwendige Summe nicht, wodurch
dieses Projekt bis heute nicht realisiert wurde.
Vor der Anbringung des Altares
mit Raffaellis Mosaik befand sich an seiner Stelle ein unter Architekt
Hetzendorf von Hohenberg im Zuge der Renovierung der Minoritenkirche 1784-1786
(Artikel) errichteter Seitenaltar und das
Gemälde der Hl. Familie (Artikel), das heute neben dem Sakristei-Eingang hängt.
Eine historische Ansichtzeichnung (Bild)
gibt einen Eindruck vom damaligen Aussehen der Kirche.
Besagter Seitenaltar war ebenerdig von zwei (von insgesamt vier) großen Wandbildern
flankiert, die als Grisaille ausgeführt waren und im Jahre 1811 von dem
in Wien weilenden italienischen Maler Giorgini gemalt und der
Italienischen Kongregation kostenlos überlassen worden waren. Besagte
Bilder waren in den vier rechteckigen Wandpartien neben den
Seitenaltären an der Nord- und an der Südwand der Kirche platziert und
imitierten das Aussehen von Reliefs. Sie stellten die Anbetung Jesu
durch die Magier, den Kindermord zu Bethlehem, die
Auferweckung des
Lazarus und die Verjagung der Händler aus dem Tempel (Tempelreinigung)
dar. Die vier Gemälde sind heute
verschollen.
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