Kaiser Franz I. & Kaiser Ferdinand I. von Österreich und Architekt Friedrich August von Stache


Eugène de Beauharnais & Napoleon Bonaparte, die ursprünglichen Auftraggeber des Mosaikbilkdes



Widmungsinschrift zu Ehren Raffaellis (li.) und der beiden österreichischen Monarchen (re.)


Originale Bronzeleuchter und Tabernakeltür (Detail)




Modell (oben) und Prägestempel (unten) der Medaille mit den Relief-Portraits der beiden Kaiser Franz I. und Ferdinand I. und der Abbildung des Abendmahl-Altars

Die Errichtung und Ausstattung des Abendmal-Altares

Das berühmte Mosaikbild (Artikel) der Minoritenkirche entstand im Auftrag Napoleon Bonapartes (1769-1821). Dieser wollte ursprünglich das originale, 1495-97 in secco-Technik geschaffene, 422 × 904 cm große Abendmahl-Gemälde von Leonardo da Vinci (1452-1519) im Refektorium des Dominikaner-Klosters S. Maria delle Grazie in Mailand von seiner Wand ablösen und nach Paris überführen lassen. Aufgrund der technischen Undurchführbarkeit des Projekts beauftragten Napoleon und sein Stiefsohn, der Vizekönig Italiens Eugène de Beauharnais (1781-1824), den Maler Giuseppe Bossi (1777-1815), eine originalgetreue Kopie auf Leinwand zu erstellen. Diese sollte ab 1806 dem Mosaik-Künstler Giacomo Raffaelli (1753-1836) aus Rom, der in jenem Jahr extra nach Mailand geholt wurde und hier auch eine eigene Schule eröffnete, als Vorlage für ein Mosaikbild dienen.

Da die Größe von 9,18 x 4,47 Metern nicht zuließ, das Mosaik-Bild in einem Stück anzufertigen und anschließend zu bewegen, musste der Künstler es in zwölf Einzelplatten unterschiedlicher Dimensionierung mit etwa 24 cm Dicke herstellen, die zusammengenommen etwa ein Gewicht von 20.000 Kg besitzen. Die einzelnen Mosaiksteine wurden hierbei direkt mittels Zement an den Stein geklebt. Das Mosaik wurde von Raffaelli mit Unterstützung von fünf Gehilfen in den Jahren 1806-1814 hergestellt.

Da bei Vollendung des Bildes der mittlerweile entmachtete Napoleon natürlich nicht mehr als Käufer in Frage kam, wurde das Mosaik schließlich von Kaiser Franz I. v. Österreich (1768-1835) gekauft und 1816/1818 auf zwölf Artillerie-Wägen aufgeteilt nach Österreich transportiert. Zunächst wurde es in den Räumlichkeiten der Ambraser Sammlung in Innsbruck liegend am Boden eines Saales arrangiert, wo es von einer Tribüne aus besichtigt werden konnte. Bald darauf wurde es erneut in Kisten gepackt und in das Schloss Belvedere nach Wien überführt, wo es provisorisch im Keller verstaut wurde.

Seitens der Italienische Kongregation erwuchs in den 1820’ Jahren das Interesse, die Minoritenkirche zum Zweck der Aufstellung des Mosaiks dem kaiserlichen Hof zur Verfügung zu stellen. 1821 wurden hierzu mit der Unterstützung des Architekten Johann Nepomuk Amann (1765-1834) auch nähere Untersuchungen hinsichtlich Aufstellungs-Ort und Möglichkeit vorgenommen, wobei mittels eines auf Leinwand gemalten Faksimile des Mosaiks eine Anbringung des Kunstwerks simuliert wurde, doch blieb das Unternehmen vorerst noch ohne Erfolg. Erst ein Ansuchen des Jahres 1845 bei Kaiser Ferdinand I. v. Österreich (1793-1875) fand Gehör und Gefallen.


Darstellung des Altares und des unausgeführt gebliebenen Kommunion-Gitters

Die Kongregation engagierte den Architekten Friedrich August v. Stache (1814-1895), der einen Entwurf für die Anbringung des Mosaiks anfertigte. Er plante, feste Fundamente anzulegen und darüber einen Altar aus Carrara-Marmor zu errichten in dem das Mosaik anzubringen sei. Hierbei sollte ein kleiner Abstand zur Nordwand der Minoritenkirche verbleiben, was aus konservatorischen Gründen als Vorteil erachtet wurde. Ein früheres Projekt Amanns, welches eine Anbringung des Mosaiks direkt an der Wand und dessen Fixierung mittels Eisenanker vorsah, wurde hingegen aufgrund statischer und ästhetischer Bedenken fallengelassen.

1846 wurde unter Staches Leitung die Arbeit der Errichtung von Altar und Mosaik begonnen. Hierfür wurde eine Grube bis zu einem festen Untergrund gegraben und ein Fundament aus gleichförmigen Ziegeln gebaut. Dieses wurde bis zur Höhe von etwa 3,4 Meter über den Kirchenboden errichtet und bis hier auch mit der Nordwand der Kirche verbunden. Über diese Mauer wurde anschließend eine Schicht behauener Steine gesetzt um den Druck des Gewichtes des Mosaiks besser zu verteilen. Die Mosaikplatten wurden vom Hofbauamt mittels eines eigens gebauten und von sechs Pferden gezogenen Wagens angeliefert. Der Professor für Bildhauerei Vincenzo Bonanni (1802-1887) hatte derweil den Marmor für Altar und Rahmen in Carrara vorbereiten lassen.

Die Positionierung und Anbringung der einzelnen Mosaikplatten erfolgte über eine Rampe und eine Plattform sowie über eine große Schraubenwinde und Karren und die Fixierung an die Kirchenmauer mittels jeweils vier Schlüsseln. Das Mosaik wurde in drei Lagen zu je vier Platten montiert wobei drei Daumenbreit Abstand zwischen den Mosaikplatten und der Wand gelassen wurden.

Giovanni Battista Viscardi aus Mailand lieferte sechs vergoldete Bronzeleuchter an, die Wiener Firma Hollenbach stellte indes Kanontafeln, Tabernakeltür (Bild) und Inschriftenlettern zur Verfügung und Giulia Stoy bestickte die beiden Polster für das Missale (Bild). Einer von ihnen ist mit dem Wappen (Bild) der Lombardo-Venetiens und der andere mit dem Wappen Venedigs geschmückt, die damals zu Österreich gehörten; die beiden Polster sind auch heute noch im Fundus der Sakristei der Minoritenkirche vorhanden.

Im Jänner 1847 waren die Arbeiten so weit fertiggestellt, dass am 26. März in Gegenwart des Kaisers Ferdinand I. (1793-1875) und seiner Gattin sowie der Erzherzogin Sophia, des Erzherzogs Ludwig und des Erzherzogs Karl die Einweihung des Altares erfolgen konnte. Hierbei pontifizierte der Wiener Erzbischof Vincenz Eduard Milde (1777-1853).

Zur Erinnerung an die Anbringung des Mosaikbildes in der Minoritenkirche wurde der Graveurmeister Steinböck beauftragt eine Gedenkmedaille zu kreieren. Davon wurde ein Exemplar in Gold für den Kaiser sowie 30 in Silber und 300 in Bronze hergestellt. Das Archiv der Italienischen Kongregation verwahrt das Modell und die Prägestempel dieser Medaille.

Architekt Stache hatte auch die Errichtung steinerner Chorschranken vor dem Altar vorgesehen. Ein Antrag um Finanzierung wurde vom Kaiser abgelehnt und auch die Kongregation investierte die für dieses Vorhaben notwendige Summe nicht, wodurch dieses Projekt bis heute nicht realisiert wurde.

Vor der Anbringung des Altares mit Raffaellis Mosaik befand sich an seiner Stelle ein unter Architekt Hetzendorf von Hohenberg im Zuge der Renovierung der Minoritenkirche 1784-1786 (Artikel) errichteter Seitenaltar und das Gemälde der Hl. Familie (Artikel), das heute neben dem Sakristei-Eingang hängt. Eine historische Ansichtzeichnung (Bild) gibt einen Eindruck vom damaligen Aussehen der Kirche.
Besagter Seitenaltar war ebenerdig von zwei (von insgesamt vier) großen Wandbildern flankiert, die als Grisaille ausgeführt waren und im Jahre 1811 von dem in Wien weilenden italienischen Maler Giorgini gemalt und der Italienischen Kongregation kostenlos überlassen worden waren. Besagte Bilder waren in den vier rechteckigen Wandpartien neben den Seitenaltären an der Nord- und an der Südwand der Kirche platziert und imitierten das Aussehen von Reliefs. Sie stellten die Anbetung Jesu durch die Magier, den Kindermord zu Bethlehem, die Auferweckung des Lazarus und die Verjagung der Händler aus dem Tempel (Tempelreinigung) dar. Die vier Gemälde sind heute verschollen.