Das Mosaikbild „Letztes Abendmal Jesu“,
gesetzt von Giacomo Raffaelli (1753-1836),
heute an der Nordwand der Minoritenkirche


Leonardo da Vincis Originalgemälde des Letzten Abendmals Jesu im Refektorium (Speisesaal) des Klosters S. Maria delle Grazie in Mailand


Um 1520 von  Giampietrino (Giovanni Pietro Rizzoli) geschaffene Kopie, heute in der Royal Academy of Arts, London, durch sie kann man erahnen, wie die heute nicht mehr existente Darstellung von Jesu Füße ausgesehen haben mag


Der Priester bei der Hl. Messe
an der langen Altarmensa stehend
mit Blick nach Osten gewandt

Das Mosaikbild des Abendmalaltares

 In die Amtszeit des Freiherr v. Buffa, Präfekt der Italienischen Kongregation, fällt die zwischen 1845 und 1847 erfolgte Errichtung (Artikel) des berühmten Seitenaltares mit dem 1806-1814 von Giacomo Raffaelli (1753-1836) aus winzigen Mosaik-Steinchen geschaffenen gewaltigen 20 Tonnen schweren Mosaik, welches eine maßstabsgetreue Kopie des Mailänder Abendmahl-Gemäldes von Leonardo da Vinci (1452-1519) an der Nordwand des Refektoriums des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand darstellt.

Das Bild zeigt im Zentrum den etwas betrübten, in majestätischer Ruhe mit entfalteten Armen sitzenden Christus umgeben von den in chaotisch-aufbrausender Unruhe geratenen Aposteln, nachdem der Herr ihnen mitgeteilt hatte, daß einer von ihnen Ihn bald verraten würde. Die Gefährten Jesu sind in zwei Gruppen links und rechts des Heilands postiert und gliedern sich ihrerseits in vier dreier-Gruppen.

Von links nach rechts sieht man Bartholomäus (1), der sich schockiert erhoben hat, daneben Jakobus der Jüngere (2), dessen rechte Hand Andreas (3) an der Schulter ergreift, während dieser erschrocken die Hände hochreißt. Rechts von ihnen beugt sich der aufgesprungene Petrus (4) über Judas (5), verdrängt ihn durch seine Bewegung und flüstert Jesu Lieblingsjünger Johannes (6) ins Ohr, als wolle er Näheres erfahren, wer denn der Verräter sei um dessen Vorhaben zu vereiteln. Petrus und Judas sind an zwei Attributen leicht zu erkennen, ersterer hält das Messer, mit dem er später bei der Gefangennahme Jesu einem der Schergen das Ohr abschlagen wird, letzterer hält in seiner rechten Hand den Beutel mit den 30 Silberlingen, den Kaufpreis um den er den Herren verraten hat. Aufgeschreckt verschüttet Judas mit seinem Arm Salz aus einem kleinen Behälter, ein schlechtes Omen. Gemäß den Konventionen der Kunst ist Johannes an seinem jugendlichen Aussehen zu erkennen, der in Kombination der langen Haartracht und des fehlenden Bartes fast weiblich anmutet. Dies hat schon viele zur falschen Deutung verleitet, hier sei eine Frau dargestellt.

Auf der anderen Seite Christi befindet sich Thomas (7) mit mahnend erhobenem Zeigefinger, dessen Oberkörper von Jakobus dem Älteren (8) verdeckt wird, der entsetzt die Arme ausbreitet, hinter ihm beugt sich der stehende Philippus (9) demütig traurig zu Jesus und greift sich dabei mit beiden Händen an die Brust, als ob er frage, ob er es denn sei, der den Herren verraten würde. Die anderen drei Apostel am rechten Tisch-Ende sind bereits in heftiger Diskussion begriffen. Matthäus (10) weist, auf seine Mitapostel blickend, mit beiden Armen auf den Herren, während Judas Thaddäus (11) und Simon der Zelote (12) mit den rhetorischen Gesten ihrer Hände ihre Gedanken und Worte zu jonglieren scheinen.

Die Details der Teller und Gläser, der Speisen und Getränke, des Tischtuchs und der Kleidung, Glanz und Spiegelungen, Texturen und physische Beschaffenheit der Materie, wie etwa die samtige Weichheit der Haare, sind meisterlich wiedergegeben, sogar der Bereich der Füße Jesu, der in Leonardos Original zerstört ist, wurde glaubwürdig rekonstruiert.


Perspektivstudie mit Fluchtpunkt und Fluchtlinien

Die Raumtiefe ist mit den Mitteln der Perspektive perfekt simuliert, wobei die eingesetzten architektonischen Mittel, etwa die Kassettendecke und die Wand-Paneele, durch ihre fluchtenden Linien diesen Eindruck verstärken. Über einer bloß geometrisch korrekten Konstruktion hinaus ist es Leonardo und Raffaelli sogar gelungen, diesen Raum auch mit Licht & Luft, mit Atmosphäre, zu füllen – ja darüber hinaus auch noch mit Geist.

Im Hintergrund geben drei Wandöffnungen den Blick auf eine durchaus heitere, friedliche, verklärte, vom Sonnenuntergang lichterfüllte Landschaft frei, deren Licht Jesus umgib. Es strahlt aus Ihm, der auch der Mittelpunkt des Bildes und der perspektivischen Fluchtlinien ist. Die Gruppe ist mit dem Westen im Rücken nach Osten gewandt. – Hier in diesem Saale will der Herr das Sakrament der Hl. Messe begründen und es ist kein Zufall, daß in Leonardos Bild der Blick Jesu nach Osten – also zum  Sonnenaufgang als Symbol Seiner Auferstehung und Seiner Wiederkunft am Ende aller Tage – die Ausrichtung des Priesters am Altar vorwegnimmt. Jesus Christus ist der Hohepriester der sich selbst als Opfer darbringt, das die Sünden der Menschen sühnt und die Sünder mit Gott wieder versöhnt.

Die Architektur des Saales mit seinen drei Portalen und den seitlichen Zugängen zu – zu vermutenden – Seitenschiffen präkonfiguriert hierbei gewissermaßen das Bauschema der Basiliken der Christenheit und die langgezogene Tafel des Abendmahlsaales selbst mutet wie der breite Hochaltar einer Kirche an. Die Apostel, die ersten Bischöfe, die dazu auserkoren worden sind in ihrer priesterlichen Rolle am Altar Jesus zu verkörpern, umgeben dabei Christus wie die Altarassistenz den Zelebranten.