
Katharinenkapelle 1683 (Detail aus der Ansicht
von Minoritenkloster und Kaiserspital (Bild)
von Daniel Suttinger) und Grundrissskize der Kapelle mit Vorraum,
Kapitelsaal und Teil d. Kreuzgang 1710 nach Arnold Steinhausen

Umbauentwürfe der noch geosteten Kapelle
mit (li) und ohne (re) Mittelpfeiler

Grundriss der neu gestalteten Kapelle
samt Haus der Italienischen Kongregation

Die Heiligen Rochus und Sebastian,
heute in der Antoniuskapelle der Minoritenkirche

Detail: Altarmensa der Kapelle,
mit dem Relief Maria Schnee

Portal der Kapelle
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KI-gestützter
Rekonstruktionsversuch |

Katafalk für Maria Theresia
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KI-gestützter Rekonstruktionsversuch |
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Die Katharinenkapelle als Kirche der
Italienischen Kongregation
Nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773 war die Italienische
Kongregation gezwungen sich als selbständige unabhängige Vereinigung neu
zu positionieren. Die italienische Kapelle im jesuitischen Professhaus
wurde, so wie auch das gesamte Professhaus und die anderen Immobilien
und Kapitalien der Jesuiten, vom Staat beschlagnahmt und die
Kongregation unter Präfekt Paolo Facchini am 17. März 1774
aufgefordert, bis zum 5. April persönliches Gut aus ihrer Kapelle zu
entfernen. Somit war die Kongregation auf der Suche nach einem neuen
Andachtsraum und Sitz der Vereinigung.
Ein erster Versuch, bei dem die Nutzung der
Salvatorkirche als Ersatzquartier angestrebt wurde, schlug
fehl. Die Führung der Kongregation nahm darauf eine andere Kapelle ins
Visier. Sie beschloss Verhandlungen mit dem Minoriten-Orden aufzunehmen,
um die zuvor bis 1761 als Kapelle des Kaiserspitals (Ansicht)
verwendete und kürzlich wieder dem Orden einverleibte
Katharinenkapelle (Artikel),
als Kirche nützen zu dürfen. Dieser zweite Versuch war schließlich, auch
dank der Unterstützung der Monarchin Maria Theresia, mit Erfolg
gekrönt.
Da der Innenraum der Katharinenkapelle sehr feucht und der Fußboden zehn
Stufen unter dem damaligen Straßenniveau lag
beauftragte die Kongregation Maurermeister Albert Hild einen
Umbauentwurf zu erstellen. Dieser vom Vorstand als „zu gotisch“
befundene Vorschlag wurde jedoch zugunsten eines neuen Entwurfs des
Kaffeesieders und ersten Assistenten Giovanni Evangelista Milani
fallen gelassen, der am 25. Mai 1774 angenommen wurde. Hild erstellte
hierzu einen detaillierten Bauplan und Milani wurde als Baustellenleiter
eingesetzt. Die Arbeiten begannen sofort nach der Präsentation des
ersten Entwurfs, wohl um rasch vollendete Tatsachen zu schaffen, und
zwar mittels Abriss der beiden Säulen im Inneren der Kapelle, was
auch das Abtragen des durch sie gestützten gotischen Gewölbe
miteinschloss.
Am Ende des Jahres 1774 wurden die Arbeiten vollendet und die
Einweihung der Kirche mit 1. Februar 1775 festgesetzt. Die Kirche
sollte im Rahmen eines Triduums zu Ehren der Mutter Gottes, des hl.
Rochus und der Märtyrer Clemens und Julius geweiht werden, wobei am
ersten Tag Antonio Salieri (Artikel)
die Sänger der Opera italiana (Hofoperntheater samt Orchester)
dirigieren sollte. Die Einweihung erfolgte wie geplant unter dem neuen
Namen Maria Schnee (B. V. della Neve), dem der Hochaltar geweiht
wurde, es zelebrierte Mons. von Wertisch, Weihbischof und Generalvikar
der Erzdiözese Wien. Die vier Seitenaltäre wurden dem hl.
Julius (Bild /
Sarkophag), dem hl. Rochus,
dem hl. Clemens und dem hl. Joseph geweiht.
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Schnittzeichnung durch die Kapelle
mit zwei Seitenaltären und Kanzel
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KI-gestützter Rekonstruktionsversuch
des Innenraumes der Kapelle
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Im Archiv der Italienischen Kongregation sind heute noch zahlreiche
Grundrisspläne sowie Schnitt- und Ansichtszeichnungen der neuen
italienischen Kapelle sowie des später von der Kongregation genutzten an
ihr angrenzenden Hauses erhalten.
Der sehr detailliert dargestellte
Hochaltar (Bild)
trägt die rundbogig in einem Rahmen gefasste gemalte Darstellung der
Maria Schnee, flankiert von zwei Figuren - erkennbar als die heute
in der Antoniuskapelle (Artikel)
der Minoritenkirche befindlichen Statuen des hl. Rochus
und des hl. Sebastian (Bild)
- , die jeweils zwischen zwei Säulen mit Gebälk stehen, das
Hochaltargemälde ist mit
einem angedeuteten gesprengten Rundgiebel bzw. verkröpften Giebel
bekrönt in
dessen Giebelfeld zwei Engeldarstellungen zu erkennen sind. Über den
zwei äußersten Säulen sind je eine Vase positioniert und über dem
Giebelverlauf des Hochaltares thront ein strahlendes Auge-Gottes-Motiv
mit Wolken und Putti. Am Antependium des
Hochaltares ist jenes Relief der Maria Schnee (Bild)
zu erkennen, welches das Altarantependium des Hochaltares der heutigen
Minoritenkirche schmückt.
Die Portale an den beiden Seiten des Hochaltares führen in den Raum
dahinter der als Sakristei diente.

Schnittzeichnung der Kapelle mit Blick auf den
Hochaltar (Bild) |

Ansichtzeichnung des Portals der Kapelle
mit Zwiebelturm und reichverziertem Portal (Bild)
und dem daneben befindlichen Kongregationshaus |

Hochaltar der neu gestalteten Kapelle
der Italienischen Kongregation |

KI-gestützter Rekonstruktionsversuch
des Hochaltares der Kapelle |

KI-gestützter Rekonstruktionsversuch
des Portals der Kapelle mit dem Kongregationshaus |
Ansichten der Frontfassade (Bild)
mit dem Kapelleneingang im Osten zeigen einen Mittelrisalit mit
Mittelfenster und dreieckiger Giebelbekrönung, der in einen Turm mit
Zwiebeldach und Kreuz ausläuft. Die Entwurfs-Variante mit aufwändigem
Portal
(Bild) weist
um den Eingang Säulen samt Gebälk auf und über dem Eingang ein
vertieftes Oval mit Rundgiebel, das die Skulptur einer Immakulata
umrahmt, flankiert von zwei Voluten mit Putti. Unter der Skulptur ist
eine Wolke mit Puttenköpfen und darunter, also über dem Eingang, ist
eine Kartusche mit Inschrift zu sehen. Um die Inbesitznahme der Kapelle
zu unterstreichen ließ die Kongregation alle Öffnungen zum Konvent
vermauern und brachte die Inschrift B. M. V. ad nives Italica
Natio MDCCLXXV an das Portal der Kirche an.
Im selben Jahr entstand
auch das neue Siegel (Bild)
mit der Inschrift „sig. nat. ital. BMV ad nives 1775“ und Maria
Theresia spendete ein noch heute existierendes Ornat für die Hl.
Messe bestehend aus Kasel (pianeta), zwei Dalmatiken
(Tonicelle), ein Pluviale (piviale) und ein
Kissen - alles mit Blumenmotiven auf Silbergrund eigenhändig von ihr
und den Erzherzoginnen bestickt (Artikel).
Am 18. Juni 1776 folgte Milani dem zurückgetretenen Paolo Facchini als
Präfekt nach, und war somit der erste frei gewählte Präfekt der
postjesuitischen Ära. Kurz darauf bat er den kaiserlichen Hof um
Überlassung eines an die Kapelle angrenzenden zweistöckigen
Gebäudes, um es als Priester-Wohnung zu adaptieren.
Maria Theresia willigte dem Gesuch ein. Sofort wurde mit den
Umbaumaßnahmen begonnen und in das Projekt auch die Realisierung zweier
kleiner Oratorien inkludiert, eines für den Gebrauch
des Kaiserlichen Hofes, eines für die Italienische Kongregation. Für ersteres musste
allerdings Grund des Minoritenklosters abgetreten werden, wofür die
kaiserliche Zustimmung nötig war. - Der Präfekt lud hierfür den Kaiser zum
Fest der Schmerzhaften Mutter Gottes am 21. März 1777 zur Aufführung des
Stabat Mater von Pergolesi, dirigiert von Antonio Salieri,
ein und hatte damit erfolg.
Der Tod Maria Theresias veranlasste die
Kongregation dazu, ihrer Wohltäterin am 17., 18. und 19. Jänner 1781
feierliche Requiem zu halten und einen aufwendigen Katafalk (Bild)
zu errichten, die Gestaltung der Dekorationen stammte von Giovanni David
aus Genua und wurde von Josef Gril und Mathias Floder ausgeführt, die
Musik von Antonio Salieri dirigiert.
Als Papst Pius VI. am 22. März 1782 Wien
besuchte um Kaiser Joseph II. wegen seiner Religionspolitik zu
rügen, besuchte er als erstes die italienischen Kapelle (Bericht),
er wurde dabei von den Kardinälen
Migazzi und Bathyani, den Apostolischen Nuntius
Garampi sowie Erzherzog Maximilian begleitet. Er heute
noch existierende Steintafel (Bild)
hinter dem Hochaltar der Minoritenkirche erinnert daran. Der
Pontifex und sein Hof schrieben sich vor ihrer Abreise am 20. April
eigenhändig in die Unione della chiesa nazionale italiana ein.
Das entsprechende Blatt mit dem Wappen Pius VI. (Bild)
befindet sich noch heute im Goldenen Buch (Artikel)
der Italienischen Kongregation.
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