
Marien-Tympanon im heutigen Zustand

Siegel Herzogs Friedrich d. Schöne v. Österreich und seiner Gemahlin
Isabella (Elisabeth) v. Aragon
Beide sind mit Zepter und Reichsapfel versehen
KI-generierter
Rekonstruktionsversuch:
die Engeln tragen Lilienzweige in ihren Händen
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Der Marien-Tympanon der Ludwigskapelle
Unscheinbar über der Tür zur Kirche, im Eingangsbereich des barocken
Anbaus an der Nordwand der Minoritenkirche „versteckt“, befindet sich
ein gotischer Tympanon mit Relief-Figuren, der als Teil des
Eingangsportals zur ursprünglichen Ludwigskapelle aus der
zweiten
Bauphase der Minoritenkirche (Artikel) gedeutet wird.
Zu sehen ist zentral die vor einer spitzbogigen Nische auf einer Bank
thronende Gottesmutter, die von oben von einem Engel
gekrönt wird, der mit entfalteten Flügeln auf sie
herabfliegt.
Maria hält mit ihrer rechten Hand einen schwer erkennbaren Gegenstand,
der als Figur eines Vogels gedeutet worden ist -
vielleicht eine Taube oder eine Eule als Symbol der Weisheit (?) -
passend wäre auch der Knauf eines Zepters als Zeichen der Autorität der
Himmelskönigin. Mit der
anderen Hand umgreift sie den auf ihrem linken Oberschenkel stehenden
Jesusknaben, der gerade dabei ist ihr wallendes, nicht wie sonst
üblich durch einen Schleier verdecktes, Haar liebevoll zu streicheln.
Seitlich der Gottesmutter fliegen zwei weitere Engel herbei, sie
trugen einst vermutlich Gaben in ihren Händen; vielleicht symbolische Hinweise
auf Königtum und Priestertum Christi. Leider existieren diese heute
nicht mehr. Nur Unterarm und Hand des rechten Engels sind erhalten, mit
der er ein kugelförmige Objekt hält, das als Gefäß
gedeutet worden ist.
Zu bemerken sind noch vier Noppen nahe der spitzbogigen Nische
der Madonna. Dabei handelt es sich vermutlich um die Reste von vier
Halterungen, vermutlich für längliche Gegenstände, die die beiden
seitlichen Engel mit ihren heute nicht mehr existierenden Unterarmen trugen.
Vielleicht handelte es sich hierbei um Lilien (Symbol der Reinheit
Mariens) und/oder um Zepter (Zeichen der Herrschaft der gekrönten
Gottesmutter und ihres Sohnes, des Christkönigs). Das kugelförmige
Objekt könnte in diesem Kontext auch als Reichsapfel gedeutet werden.
An den äußersten Enden des Spitzbogens zwängen sich die beiden
Stifter in die Szenerie hinein, sie knien mit gefalteten Händen und
verehren die Gottesmutter und das Kind, obschon sie, scheinbar
abgelenkt, auf uns, die Betrachter des Reliefs, blicken, als wollten sie
uns einladen, es ihnen gleich zu tun. Bei den Stiftern handelt es sich
um Herzog Friedrich
III. der Schöne von Österreich (1289-1330) und seine Gattin
Isabella (Elisabeth) von Aragon (1300-1330), sie sind gemäß dem
Bildtypus einer Sacra Conversazione, als lebende Protagonisten
ihrer Zeit in die überirdische Szene hineingenommen. Sie tragen nicht
den Herzogshut, sondern sind königlich bekrönt, als Hinweis darauf, daß Friedrich
ab 1314 ebenfalls für kurze Zeit deutscher König war. Genaugenommen stritt Friedrich v.
Habsburg gegen Ludwig von Wittelsbach (1282-1347) darum, alleiniger
König zu sein; 1325 entschied sich der Streit – obschon Friedrich
Mitkönig blieb – zugunsten Ludwigs, der 1328 Kaiser des Heiligen
Römischen Reiches wurde.
An Isabella von Aragon erinnerte ein
Hochgrab, geschmückt mit Maßwerkdekorationen und den Wappen
Österreichs und Aragons, das sich vor dem Altar der Ludwigskapelle
befand und seit den Umbauarbeiten durch Architekt Hetzendorf von
Hohenberg von 1784-1786 nicht mehr existiert.

Das heute nicht mehr erhaltenen Hochgrab aus
Porphyrstein der Isabella (Elisabeth) von Aragon
Links Zeichnung von Marquard Herrgott 1772 / rechts KI-generierter
Rekonstrukzionsversuch

Rekonstruktion des Zustands der
zweiten Bauphase:
Ludwigskapelle (5)
mit Hochgrab der Isabella v. Aragon (H)
und
Eingangsportal (T) / (t) mit Tympanonrelief
1: Langhaus, 2: Langchor, 3: Lettner, 4: Katharinenkapelle |
Zweite Bauphase der Minoritenkirche:
Anbau der Ludwigskapelle,
KI-gestützter Rekonstruktionsversuch |
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