Graphik mit Darstellung der Christina Rieglerin und Frontblatt der von Pater Germanus Plume SJ verfassten Biographie


Minoritenkirche und Kloster 1683


Grundrissskizze der Minoritenkirche aus dem Jahre 1901:
(A) Kreuzaltar mit Wimpassinger Kreuz
 (K) Gruft der Hl. Kreuz Bruderschaft,
(H) Hoyos-Gruft.
Christina Rieglerin ruht heute in der Hoyos Gruft unterhalb der Antoniuskapelle.

Es ist überliefert, daß Christina Rieglerin hinter der 1697 im Langchor errichteten Heiligen Stiege einen Altar mit einem Kreuzbild widmete.   

Christina Rieglerin (1648-1705)

Unsere heutige Kenntnis über Christina Rieglerin verdanken wir fast ausschließlich dem Jesuitenpater Germanus Plume, der 1707 in Wien die Biographie "Die gekrönte Gedult. Das ist Kurtzer Innhalt des Tugendreichen und Wunderbahren Lebens Christinæ Riglerin" (Buch) verfasste.

Christina kam 1648 in St. Pölten am Vorabend des Festes der Kreuzfindung, also am 2. Mai, zur Welt. Durch Plume erfahren wir von ihrer Taufe und Firmung und ihrer harten Schulzeit bei einem unbarmherzigen 'Schulmeister'. Von frühester Jugend an war Christina auch sehr kränklich. Als junges Mädchen kam sie nach Wien. Schließlich legte sie unter der Führung ihres jesuitischen Beichtvaters am Namen-Jesu-Fest das Gelübde ewiger Keuschheit ab. Als sie darauf, in tiefer Andacht versunken, Bereitschaft bekundete, ihr Leben ganz dem Leiden Jesu Christi darbringen zu wollen, wie es schon die mittelalterlichen Mystikerinnen immer wieder getan hatten, erfuhr sie in einer göttlichen Vision, dass es ihr bestimmt sei, 25 Jahre Krankheit und Schmerzen zu ertragen. Christina nahm diese Prophezeiung als himmlische Gabe demütig an. Ausführlich beschreibt Plume die Leidenszeit seiner Heldin, die vom Jahre 1680 bis zu ihrem Tode 1705 andauerte. Als sie schließlich das Bett nicht mehr verlassen konnte, widmete sie sich nur mehr dem Gebet und der Betrachtung der Tugenden, der Gebote Gottes sowie der letzten Dinge: Tod, Gericht, Verdammnis und himmlische Glorie. Bald sprach es sich in Wien herum, dass das Gebet der Rieglerin, wie der Verfasser versichert, Wunder-Krafft besitze und Krankenheilungen bewirke. Vielfältig sind die Fälle, in denen sie durch Anteilnahme für Menschen in Not Gottes Hilfe erflehte.

Germanus Plume kommt auch auf die Türkenbelagerung von 1683 zu sprechen und gedenkt des heldenhaften Kampfes der Wiener Bürger und des christlichen Entsatzheeres. Für den Verfasser steht fest, 'dass ein Gutteil des glorwürdigen Siegs und der Errettung der Hauptstadt Wien dem andächtigen Gebet und den großen Verdiensten unserer Wiener Mitbürgerin Christina zu verdanken' sei (S.156). Dabei beruft sich der Autor auf den Jesuitenpater Adamus aus dem Geschlecht der Barone von Oed, den damaligen Beichtvater Christinas, aus dem Professhaus Am Hof (Bild), welcher dem Gebet und der Andacht der Rieglerin größte Bedeutung beimaß. Kardinal Leopold Karl v Kollonitsch ersuchte um ihre Fürsprache vor Gott zur Errettung der bedrängten Stadt. In tiefster Demut und Bescheidenheit sagte die Jungfrau ihre Bereitschaft zu, den Herrn um Seine Hilfe anzuflehen, wodurch sie für Wien zur 'anderen Judith' geworden sei, „die durch ihr heiliges Gebett unsere Feinde zu Schanden gemacht und dise Stadt von dem Untergang befreuet“ (S. 158).

In Folge wurde Christina Riegler von immer mehr Menschen aufgesucht, auch stand sie vielen Notleidenden, trotz sehr beschränkter finanzieller Möglichkeiten, mit Almosen bei. Diese Hinwendung zu den Menschen fiel ihr nicht leicht, denn sie hätte am liebsten einsam und beschaulich gelebt; doch als ihr Beichtvater das heilsame Wirken erkannte, das von ihr ausströmte, riet er dringend davon ab, sich ihren Zeitgenossen zu entziehen. Trotz der Bereitschaft den priesterlichen Rat zu befolgen, war und blieb es aber immer ihr Hauptanliegen, vor Allem der Leiden Jesu zu gedenken. Daraus erwuchs auch die Liebe zum hl. Franz von Assisi (Bild), und wie diesem wurde ihr, was sie aber nur ihrem Biographen in aller Heimlichkeit gestand, im Jahre 1695 eine Stigmatisierung zuteil. Damit habe auch die Stadt Wien – so Plume – eine Bürgerin, die mit dem Apostel Paulus sagen konnte, sie trage die Leidenszeichen des Herrn an ihrem Leib (S. 196). Die große Bewunderung, die man ihr zollte und die auch von Kaiser Leopold I. mitgetragen wurde, stand im krassen Gegensatz zu den Lebensumständen Christinas: Sie war nicht adelig, arbeitete einige Zeit als Dienstmagd, hatte keine höhere Schulbildung und lag 25 Jahre bettlägerig eingeschlossen in einer finsteren Kammer. Die ihr entgegengebrachte Verehrung sei das größte Wunder – so Plume – das Gott an jener Frau wirkte.

In der Stunde ihres Todes stand ihr Pater Ägidius des Wiener Minoritenklosters vom Hl. Kreuz, zur Seite und Christina wollte auch als Mitglied der Bruderschaft des hl. Franziskus von Assisi im - dem Hl. Kreuze geweihten - Gotteshaus der Wiener Minderbrüder (unsere Minoritenkirche) bestattet werden. Damit konnte sie, so Plume, unter dem Kreuz ihres Heilands und Erlösers ruhen „an welchen sie die ganze Zeit ihres Lebens angebunden gelitten und gelebt hatte“ (S. 281). Sie starb am 5. Oktober 1705.

Christina wurde in der Gruft der Bruderschaft vom Hl. Kreuz in unmittelbarer Nähe des Kreuzaltares mit seinem Wimpassinger Kreuz bestattet. Das Kreuz war damals im Bereich des südlichen Seiteneingangs der Kirche in etwa an jener Stelle an der Wand befestigt, wo heute das Gemälde zu Ehren des hl. Nikolaus (Artikel) montiert ist. Nach drei Jahren, also 1708, erfolgte ihre Umbettung, in einen Kupfersarg, versehen mit drei Siegeln. Don Giovanni Salvadori, der langjährige Rektor der Minoritenkirche, berichtet 1894 über diese Umbettung in seinem Buch: „Bei dieser Übertragung fand man den Körper vertrocknet, aber ohne Haut und die Hände unverwest“ (S. 200). Ihr Sarg wurde anlässlich der Renovierung des Kircheninneren durch die Kongregation 1786 in die Hoyos-Gruft übertragen, die sich unterhalb der heutigen Antoniuskapelle (Artikel) befindet.



KI-gestützte Darstellung
der Christina Rieglerin
ausgehend von der Grafik
in Plumes Buch
 


Minoritenkirche 1772
mit den belegten Widmungen der Altäre,
Grundriss nach Marquard Herrgott
 


Altäre der Minoritenkirche

1: Hochaltar (Hl. Kreuz)
2: Hl. Ludwig v. Toulouse
    Hl. Johannes d. Täufer & hl. Ludwig (ab 1599)
    Hl. Erzengel Michael (ab 1698)
3: Hl. Jungfrau Maria / Hl. Nepomuk
4: Hl. Thomas / Hl. Franziskus
5: Hl. Antonius
6: Hl. Kreuz