Photo des originalen "Wimpassinger Kreuzes"


KI-gestützte Rekonstruktion der Farbigkeit des "Wimpassinger Kreuzes"

Das "Wimpassinger Kreuz"

Um 1270/80 fertigte ein unbekannter Meister das Kunstwerk in der Form der toskanisch-umbrischen Triumphkreuze an, wobei der Corpus Christi im Mittelfeld, die beiden Assistenzfiguren Maria & Johanes in den Rechteckfeldern an den Enden des Querbalkens, sowie auch das Christusmedaillon und die Halbfigur Marias mit Engeln an der Spitze des Kreuzes auf Pergament gemalt worden waren.

Das Riesenkreuz (Maße: 7 m x 4,6 m) stammt wahrscheinlich von einem österr. Maler des 13. Jhs.
Während sich der Typus des Kreuzes an italienischen Vorbildern orientierte - man denke an das berühmte Kreuzbild von San Damiano, vor dem Franz von Assisi einst betete, und das sich heute in der Kirche Santa Chiara befindet (Bild) - stellen die Malereien auf dem Wiener Kreuz charakteristische Beispiele für den reifen „Zackenstil“ österreichischer Prägung.

Das „Wimpassinger Kreuz“ war eines der wenigen bekannten Denkmäler der letzten Stilphase vor dem Einsetzen der Gotik und gehörte zu den Hauptwerken der abendländischen Kunst dieser Zeit.

1569 wurde das Kreuz von den Protestanten, die die Minoritenkirche übernommen hatten, vom Hochaltar an die Südwand über die Puchheimische Kapelle (Johanneskapelle, hinter dem heutigen Seiteneingang der Kirche) versetzt. Als die Minoriten 1620 die Kirche wieder übernehmen konnten, wurde für das Kreuz der Kreuzaltar errichtet. Später kam das Kreuz 1747 wieder auf den Hochaltar.

Das Holzkreuz war im Zusammenhang mit der Übersiedlung der Minoriten in das ehemalige Trinitarierkloster auf der Alser Straße gebracht worden, dann 1784 nach Wimpassing an der Leitha und schließlich 1939 in den Wr. Stephansdom, wo es 1945 verbrannte...


Minoritenkirche 1772
mit den belegten Widmungen der Altäre:
Grundriss nach Marquard Herrgott
Die Hochaltar-Widmung der Minoritenkirche
wechselte bis zum Jahr 1784 mehrmals:
- Hl. Kreuz (bis 1569)
- Hl. Drei Könige & Hl. Leopold  (1619-37)
- Hl. Karl Borromäus (1637-52)
- Hl. Drei Könige & Göttl. Kind (1652-1747)
- Hl. Kreuz (1746-1784)
- Hl. Maria Schnee (ab 1786)

1: Hochaltar (Hl. Kreuz)
2: Hl. Ludwig v. Toulouse
    Hl. Johannes d. Täufer & hl. Ludwig (ab 1599)
    Hl. Erzengel Michael (ab 1698)
3: Hl. Jungfrau Maria / Hl. Nepomuk
4: Hl. Thomas / Hl. Franziskus
5: Hl. Antonius
6: Hl. Kreuz


Versuch einer Rekonstruktion des Innenraums der Minoritenkirche um 1750 mit Blick zum Presbyterium.
Links ist der Chor mit dem Erzengel-Michael-Altar (heutige Antoniuskapelle) sichtbar,
rechts im Langchor befindet sich die 1697 von der Gräfin von Strattmann errichtete 'Heilige Stiege'.
Mittig befindet sich der Hochaltar mit dem gotischen „Wimpassinger Kreuz“.
KI-gestützte Visualisierung.