„Das Drama der Pest und die Anrufung der Heiligen
Karl Borromäus und Rochus“
1786 von Johann Steiner (1725-1792) gemalt

 

Der hl. Rochus und der hl. Karl Borromäus

Das Bild schmückt den Seitenaltar (Artikel) der Südwand der Minoritenkirche. Es gliedert sich in eine himmlische und eine irdische Sphäre. Der Erzbischof von Mailand, der hl. Karl Borromäus (1538-84), gekleidet in Kardinalsrot, Chorrock und Cappa Magna und der hl. Rochus (1295-1379) im traditionellen Pilgergewand, mit Stab, Wasserflasche und zwei Jakobsmuscheln ausgestattet, und dem Hund, der ihm Brot brachte, knien bzw. stehen auf einer Wolke, umgeben von Putti und Engeln.

Unter ihnen schmachten die Lebenden auf ihrem irdischen Pilgerweg. Gepeinigt durch Krankheiten sitzen oder liegen sie am Boden, werden getröstet von lieben Menschen, Angehörigen, Ärzten, Priestern. Ein muskulöser halbentblößter Mann im Vordergrund trägt eine Frau durch die Szene, in der Pose fast an den „Raub der Sabinerinnen“ ähnelnd, eine andere Frau weist ihm den Weg. Die Leidenden blicken empor zu den beiden Heiligen. St. Rochus erhört ihr Flehen, wendet sich zu ihnen, muntert sie mit einer Geste auf und weist sie auf Gott hin, als ihre Hoffnung und ihr endgültiges Ziel, Gottes Name JHWH erscheint dabei in hebräischer Schrift leuchtend im Himmelsglanze. Eine ebenso beeindruckende Darstellung des Namens Gottes finden wir über dem Hochaltar der Wiener Karlskirche und ähnlich wie in jener Kirche fleht der gemalte Hl. Karl der Minoritenkirche, kniend vor Gott, den Allmächtigen in seiner Rede an, sich der Leidenden auf Erden zu erbarmen.


Detail: himmlische Sphäre mit den Heiligen Karl Borromäus (links) und Rochus (rechts)

Detail: irdische Sphäre mit Kranken und Leidenden und jenen, die versuchen ihnen Linderung zu verschaffen
 

Sowohl Karl Borromäus als auch der hl. Rochus werden - so wie auch der hl. Sebastian - traditionell als Fürsprecher bei Epidemien angerufen. Speziell die letztgenannten sind in der Italienischen Kongregation hoch verehrt: der Hl. Rochus ist neben Maria von Beginn an der zweite Patron der Italienischen Kongregation.

Ein weiteres Gemälde des hl. Karl, gemalt von Steiner und vor 1784 von Präfekt Milani gestiftet, hängt in der Sakristei der Minoritenkirche (Bild). Er stellt den Heiligen dar, wie er einer krank am Boden liegenden Frau die Kommunion spendet.