
Epitaph der Magdalena Beck in der
Minoritenkirche

Ausschnitt des Grundrisses der
Minoritenkirche:
Position der Rappach-Gruft östlich der heutigen
Kanzel |

Text-Transskript
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Epitaph der Freifrau Magdalena Beck v.
Leopoldsdorf
Das Denkmal, das als Epitaph - also einem von der Begräbnisstätte
unabhängigen z.B. an einer Wand befestigtem Erinnerungsmal - konzipiert
ist, befindet sich heute etwas versteckt im Halbdunkel unter der
Orgelempore an der Westwand gleich neben dem Haupteingang der Kirche. Im
Kontext der Langen Nacht der Kirchen wurde eine
Betrachtung
über dieses herausragende Epitaph vorgetragen.
Hieronymus Beck von Leopoldsdorf
(1525-1596), ein gebildeter Renaissance-Mensch im Dienste der Kaiser
Ferdinand I. (1503-1564) und Maximilian II. (1527-1576), hat
es 1564 seiner innig geliebten und 1562 viel zu jung (sie war erst
zwanzigjährig!) verstorbenen Gattin Magdalena, geborene Rappach,
gewidmet und mit einer selbst verfassten lateinischen Widmung versehen
lassen.
Die Familie Rappach besaß eine eigene kleine Familiengruft (Plan)
in der Minoritenkirche, welche sich direkt östlich des Pfeilers, der die
Kanzel trägt, befand, und im Zuge der Umbauten durch Architekt Hetzendorf von
Hohenberg zugeschüttet wurde, weshalb sie heute nicht mehr zugänglich
ist.

Darstellung des Epitaphs der Magdalena
in einer Graphik des Karl Lind von 1877 |

KI -gestützte Visualisierung der
Magdalena Beck anhand der Büste |

Porträts von Hieronym us Beck v.
Leopoldsdorf um 1554-1558 und der Magdalena von Rappach um
1560-62 aus dem Porträtbuch des Hieronymus Beck v. Leopoldsdorf
/ KI-generierte
Darstellung Magdalenas |

KI -gestützte Visualisierung der
Magdalena Beck anhand des Gemäldes |
Das Denkmal ist dreiteilig und besteht aus einem Korpus aus
blaugrauem Quarzsandstein mit Sockel und rundem Segmentbogen, einer
Portraitbüste aus kristallinem weißen Marmor und einer
Inschrift-Tafel.
Die künstlerisch absolut herausragende und
ausgesprochen gut erhaltene, posthum nach einem
Gemälde angefertigte Büste der Frau, taucht aus einer runden Nische auf und
besticht durch die detailliert wiedergegebene Kleidung: Ihr Gesicht
ist zwischen ihrem hohen Barett, dem feinen modischen
Rüschkragen und der aufwändigen Radfrisur eingefasst, unter
dem Janker trägt sie ein Gewand aus kostbarem Brokat und
mehrere kostbare Ketten heben ihre Stellung hervor. Das Antlitz
ist von Schönheit, Noblesse und vornehme Zurückhaltung geprägt und
frontal in sich ruhend dargestellt, womit es stilistisch eher
Kunstwerken des 15. Jh. als jenen des 16. Jh. entspricht. Eine bewusste
Gestaltungswahl, die Geschmack und Kunstkenntnis des Auftraggebers
unterstreicht.
Neben dem Haupte befinden sich die vormals farbig
gefassten Wappen der Familien Beck und Rappach, die aber aufgrund
von Witterungseinflüssen heute nicht mehr erkennbar sind. Im 18. Jh.
befand sich das Epitaph nämlich im Kreuzgang des Klosters, dann ab 1903
im neugotischen Arkadengang und schließlich seit 2004, aus
konservatorischen Gründen, im Innenraum der Kirche.

Wappen der Familien Beck (links) und
Rappach (rechts)
Der Text der Tafel lautet: "Madalena Beckin a
Leopoldstorf, Ioannis Christophori Baronis a Rappach et Annae Ternick
f., Annae a Tevfenbach et Helenae a Kvnigspergn ob. ann. XX, relictis
libb. Christohporo et Martha, gentisq. sae sepulchro illata. h. s. e.
Hironymus Beck a Leopoldstorf M. f., divi Ferdinandi et invictiss.
Maximiliani II Rom. Impr. camerae aulicae cons. et annonae belicae in
Hvng. supremus commissarius, uxori chariss. et amantis eiusq. memoriae
posuit."
Deutsche Übersetzung: "Madalena Beck, geborene
von Leopoldsdorf, Tochter des Johann Christoph Freiherrn von Rappach und
der Anna von Ternick, [Enkelin] der Anna von Teufenbach und der Helena
von Königsberg, starb im Alter von 20 Jahren. Nach Hinterlassung der
Kinder Christoph und Martha wurde sie im Grab ihrer Familie beigesetzt.
Hier liegt sie begraben. Hieronymus Beck von Leopoldsdorf, Sohn des
Marcus, Hofrat des göttlichen Ferdinand und des unüberwindlichsten
Maximilian II., römischen Kaisers, sowie oberster Verpflegungs- und
Kriegskommissar in Ungarn, hat [dieses Denkmal] seiner teuersten und
liebenden Ehefrau und zu ihrem Andenken errichtet."
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