Epitaph des Johann Rudolf von Puchheim
unter dem Arkadengang der Minoritenkirche


Variante des Wappens der Familie Puchheim

Epitaph des Johann Rudolf von Puchheim

Unter dem Arkadengang an der Südseite der Kirche befindet sich an der Kirchenaussenwand angebracht das beeindruckende Denkmal für Johann Rudolf Reichsgraf von Puchheim (1600-1651), der ab 1625 unter Kaiser Ferdinand II. als Kämmerer, Oberstkämmerer, Reichshofrat und Geheimer Rat diente und im Zuge seiner Karriere als kaiserlicher Botschafter in der osmanischen Hauptstadt Konstantinopel eingesetzt worden ist.

Das barocke Epitaph weist in der Mitte ein vertieftes Medaillon mit der darin gestellten Büste (Bild) des General Puchaims. Über seinem Kopf ist das Wappen (Bild) seines Geschlechts angebracht, umrahmt vn Voluten und manieristisch-grottesken Masken und von zwei nachdenklichen Putti flankiert. Der eine rechts (Bild) sinniert im Licht einer Kerze mit dem Zeigefinger an seinem Mund, als Zeichen der Verschwiegenheit, inmitten von Büchern, auf seinem Schoß hält er ein Buch auf dem ein Schlüssel liegt. Der andere links (Bild) hält einen Spiegel hoch, bzw. uns vor, während eine kleine Sanduhr neben ihn uns an die Vergänglichkeit des Lebens erinnert.
Unter den Putti verlaufen zwei dekorativ herabhängende Akanthusblätter zu den Köpfen zweier barbusiger Frauen, die vom Denkmal wegschauend eine Inschrift (Bild) zu Ehren des Edelmanns flankieren. Ein Totenkopf (Bild) an der Basis der Inschriftenkartusche verweist eindringlich auf den Tod. - Memento mori: gedenke des Todes.

Die Familie Puchaim besaß eine eigene Gruft unterhalb der heute nicht mehr existierenden Johanneskapelle, die deshalb auch als Puchhaimische Kapelle bekannt war. Diese Kapelle befand sich unmittelbar vor dem heutigen seitlichen Kircheneingang unter dem Arkadengang, war nach 1784 in ein Wohnhaus umgewandelt worden und wurde schließlich im Zuge der Umgestaltung des Minoritenplatzes zwischen 19. und 20. Jh. abgerissen.


Putto mit Spiegel 

Detail: Büste des J. R. von Puchheim

 KI-gestützter Visualisierungs-Versuch des Aussehens zu Lebzeiten

Johann Rudolf von Puchheim,
Graphik von 1646

Putto mit Büchern 

 

Der Text der Inschrift lautet: "D.O.M.A. hic situs estillustrissimus exellentissimus DNS. BNS. Joannnes Rudolphuscomes in Gollerstorff et Krumbach &…qui…sapientia ab Augustissimo Romanorum imperatoreFerdinando III adans ana consilia adlectus, ob singularem prudentiamsupremus camerae caesareae praefectus constitutus, ob rerum experientiamet moderationem animi summus eiusdem aulae caesareae magister iustitiaeaffabilitate morumque suavitate amatus et aestimatus tandemdie XVII ianuarii anni MDCLImagnos viros aulae tuit afflicto desiderio "

Deutsche Übersetzung: "
Gott, dem Besten und Höchsten geweiht. Hier liegt begraben der erlauchteste und exzellenteste Herr, Herr Johann Rudolf, Graf in Göllersdorf und Krumbach […],welcher […] wegen seiner Weisheit vom allererhabensten römischen Kaiser Ferdinand III. in den Geheimen Rat berufen wurde, wegen seiner einzigartigen Klugheit zum obersten Präfekten der kaiserlichen Kammer (Oberstkämmerer) ernannt wurde, wegen seiner Erfahrung in den Staatsgeschäften und seiner Gemütsmäßigung zum obersten Justizmeister desselben kaiserlichen Hofes eingesetzt wurde, und der wegen seiner Leutseligkeit und der Sanftmut seiner Sitten geliebt und geschätzt war. Schließlich [hinterließ er] am 17. Tag des Januars im Jahre 1651 den großen Männern des Hofes, den er schützte, den Schmerz tiefen Vermissens."